Süßkartoffel-Schupfnudeln mit Wirsing und Balsamicozwiebeln – Sichtweise.

„Oh hey, wer bist du denn?!“ „Ich bin der Januar. Du magst mich eigentlich nicht.“ Ja, das weiß ich doch. Da war auch eher eine rhetorische Frage. Wobei er ja schon Recht hat. Der liebe Herr Januar. Ich mochte ihn nie besonders. Besser gesagt, ich habe nie für mich einen Grund gefunden, ihn zu mögen. Oft fand ich ihn sogar lästig. Ein Hindernis auf dem direkten Weg von Weihnachten zum Frühling. Am Anfang vielleicht ja ganz nett. Jahreswechsel und so. Der Zauber des Neuanfangs.

Doch spätestens ab dem 10. Januar war das Gefühl dann auch wieder vorbei. Die alten Mühlen drehten sich wieder wie zuvor. Im Büro war der Trubel so groß, als hätte es nie eine Pause gegeben. Und der Januar wird lästig. Zu lange dauert er. Zu kalt ist er meistens. Zu grau. Zu langweilig. Zu was auch immer. Ich habe schon oft zum Herzensmenschen gesagt, dass wir eigentlich im Januar in den Urlaub fahren sollten. Wohl eher fliegen, wenn die Wahl auf Sonne und Wärme fallen sollte. Den Urlaub vor oder nach Weihnachten aufsparen und dafür am 15. Januar auf und davon. Als Überbrückung.

Machen tun wir es dennoch nie. Dieses Jahr schon gar nicht. Wegen Corona. Wegen dem Hausbau. Wegen diesem finanziellen Dilemma, dass das Hausprojekt mit sich bringt. Aber dieses Jahr ist das irgendwie auch anders mit dem Januar. Erkenne ich ihn doch so gar nicht wieder. Im Gegenteil. Ich finde ihn irgendwie… schön. Ja, schön.

Vielleicht liegt es an der fehlenden Ablenkung. An den mangelnden Perspektiven und Plänen. Daran, dass ich mich vielmehr auf das Hier und Jetzt konzentriere, da es sowieso nicht angebracht ist, großartige Pläne für die nächsten Monate zu schmieden. Wer weiß, wann wir das wieder dürfen. Und den Umzug mag ich grad noch nicht planen. Immerhin sind es noch vier Monate. Im Hier und Jetzt sein bedeutet auch, den tatsächlichen Dingen viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Und das mache ich gerade.

Und kam heute Morgen bei meinem freitäglichen Lauf im Wald darauf, den Januar tatsächlich schön zu finden. Einzigartig. Besonders. Was für ein stiller Monat es doch eigentlich ist. Die Natur schläft gerade vollkommen. So richtig tief. So habe ich zumindest das Gefühl. Es wirkt alles grotesk. Es wirkt, als hätte sich jeder Baum, jeder Grashalm, jede Mooskugel vollständig in sich zurückgezogen. Jetzt endlich, da der hektische, lichterüberflutete Dezember vorbei ist und der Frühling noch nicht mal um die nächste Ecke steht. Jetzt endlich kann es ganz still werden.

Das hat mich heute Morgen mal kurz überwältigt. Und ich musste ziemlich oft stehenbleiben. Lauschen und gucken. Der Boden ist komplett gefroren, was das sowieso schon statische Bild noch statischer macht. Es knistert bei jedem Tritt. An manchen Laubbäumen hängen noch vereinzelt braune Blätter. Die Sonne scheint schon wieder etwas heller, dennoch ist das Licht eine Mischung aus Gold, Rostrot und Orange. Die Sonnenauf und -untergänge sind einer dramatischer als der andere. Der Schwarzwald versinkt im Schnee. Auch das ist so ein Januarding. Soviel Schnee ist nur im Januar willkommen. Ok, zu Weihnachten noch. Aber da ist eher Wunschdenken als Realität.

Im Februar hingegen murmelt jeder dann schon wieder vor sich hin, dass es jetzt langsam reicht mit dem Schnee und der Kälte und der Nässe. Und im März sind sowieso alle Antennen schon auf Frühling ausgerichtet. Da darf es höchstens in den Bergen Schnee haben. Aber da dann bitte ordentlich. Man will ja nochmal Skifahren gehen. Im Januar hingegen darf bei uns ruhig viel Schnee sein. Und Kälte. Die ist immerhin ja dann auch wieder Legitimation, nochmal alles an Suppen, Eintöpfen und Aufläufen rauszuhauen, was das Rezeptrepertoire so zu bieten hat. An kalten, trüben Morgen gibt es warmen Porridge, auch gerne mit Emmerflocken.

Oder die Quinoa köchelt auf dem Herd. Wie auch immer. Hauptsache warm. Abends gibt es viele, viele Curries. Mit den verschiedensten Wurzelgemüsen. Eines schmeckt besser als das andere. Großer Renner allerdings nach wie vor dieses hier. Und dieses hier. Die geröstete Blumenkohlsuppe ist ebenso ein Dauerrenner wie die Selleriesuppe. Wenn etwas mehr Zeit ist, wird Rote Bete im Ofen gegart, um Gnocchi oder Knödel zu machen. Es gibt Süßkartoffel in all ihrer Vielfältigkeit. Aber immer habe ich diese Falafel im Tiefkühler.

Was ich von nun an wohl auch immer vorrätig haben muss, ist eine ordentliche Portion der heute mitgebrachten Süßkartoffel-Schupfnudeln. Liebe Leser*innen, die sind gut! Aber wirklich gut! Ja, die Vorbereitung benötigt etwas Zeit. Ähnlich wie bei Gnocchi. Aber sind wir mal ehrlich: mit einem Glas Rotwein, ein bisschen Kerzenlicht, den leisen Klängen der Lieblingsplaylist im Hintergrund ist das doch eine schöne Lockdown-Beschäftigung.

Habt es fein.
Eure Hannah

Ps.: Den Post habe ich bereits vor zwei Tagen geschrieben. Seit heute Nach liegt in Stuttgart auch verhältnismäßig viel Schnee. Klar, dass ich den Januar jetzt noch schöner finde!

Süßkartoffelschupfnudeln mit Wirsing und Balsamicozwiebeln

Portionen 2 gute Esser

Zutaten
  

Für die Schupfnudeln

  • 400 g Süßkartoffeln (ca. 2 kleine Süßkartoffeln)
  • 100 g Kartoffeln
  • 180 g Mehl
  • 2 Eigelb
  • Salz
  • Muskatnuss

Für den Wirsing

  • 1/2 kleiner Wirsing
  • 1 Zwiebel
  • 1 Scheiben Räuchertofu
  • 200 ml Gemüsebrühe
  • 2 EL Mandelmus (oder einen Schucker Sahne)
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskatnuss

Für die Zwiebeln

  • 1 rote Zwiebeln
  • 25 ml roter Balsamicoessig
  • 1 EL Rohrohrzucker
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer

Anleitungen
 

Für den Wirsing

  • Den Wirsing vierteln und den Strunk entfernen. In feine Streifen schneiden, waschen und abtropfen lassen. Die Zwiebel schälen und fein hacken. Den Räuchertofu in kleine Würfel schneiden. Das Wasser für die Gemüsebrühe zum Kochen bringen.
  • In einem Topf etwas Olivenöl erhitzen. Die Zwiebeln und den Tofu hingeben und unter Rühren ein paar Minuten anbraten. Den Wirsing hinzugeben und weitere paar Minuten unter Rühren andünsten. Die Gemüsebrühe dazugießen, würzen und auf kleinster Flamme 30-45 Minuten weich garen. Am Schluss das Mandelmus oder die Sahne einrühren und ggf. nochmals mit Salz abschmecken. Beiseite stellen und warmhalten.

Für die Balsamicozwiebeln

  • Die Zwiebel schälen, halbieren und in dünne Ringe schneiden.
  • In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Zwiebeln bei hoher Hitze kurz scharf anbraten. Die Hitze dann reduzieren und die Zwiebeln ein paar Minuten weiterbraten.
  • Zucker, Salz und Pfeffer hinzufügen und weiterrühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat und karamellisiert. Mit dem Balsamico ablöschen. Die Hitze auf kleinste Flamme reduzieren und die Zwiebeln ca. 30-40 Minuten schmoren lassen, bis sich die Flüssigkeit auf ein Minimum reduziert hat.

Für die Schupfnudeln

  • Kartoffen und Süßkartoffeln schälen, in Würfel schneiden und am besten in einem Dämpfeinsatz sehr weich dämpfen. Das dauert ca. 20-25 Minuten. Andernfalls in Salzwasser weichkochen. Dann jedoch sehr gut in einem Sieb abtropfen lassen und im Idealfall in einem sauberen Küchentuch die Flüssigkeit ausdrücken.
  • Die weich gegarten Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer fein zerstampfen. Das Mehl und die Eigelbe hinzufügen, die Masse ordentlich salzen und mit etwas Muskatnuss würzen. Der Teig ist eher weich und klebrig. Sollte er sich gar nicht verarbeiten lassen, noch etwas Mehl hinzufügen.
  • Auf einem großen Arbeitsbrett etwas Mehl verteilen. Vom Kartoffelteig lange Rollen formen. Davon kleine Stücke abschneiden und auf der Arbeitsfläche in die typische Schupfnudelform rollen. Prinzipiell funktioniert es wie Vanillekipferl formen, nur das sie gerade bleiben.
  • In einem großen Topf Salzwasser zu Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Temperatur etwas herunterdrehen, so dass es nur noch siedet. Die Schupfnudeln portionsweise ins Wasser geben. Sobald sie an der Oberfläche schwimmen, mit einem Schaumlöffel herausheben, abtropfen lassen und auf eine Platte legen.

Für die Fertigstellung

  • In einer Pfanne etwas Butter erhitzen. Die Schupfnudeln ein paar Minuten in der Butter schwenken und von allen Seiten leicht anbraten. Den Wirsing nochmals abschmecken und bei Bedarf wieder erwärmen.
  • Schupfnudeln und Wirsing auf Teller geben und die Zwiebeln darauf verteilen.

 

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