Rhabarber-Mandelkuchen „Upside-Down“ – Hängengeblieben Teil 3.

Ihr lieben Leser/innen. Was soll ich euch nur erzählen? Irgendwie bin ich mal wieder hängengeblieben. Dieses Mal hat es aber weniger mit dem Rezept zu tun, das ich heute vorstelle. So wie hier und hier. (Apropos. Ich muss mal wieder ein Flammkuchenrezept vorstellen.) Es hat mehr mit dem Leben gerade zu tun. Und das meine ich gar nicht negativ. Aber ein bisschen kommt es mir vor als wäre alles gerade irgendwo hängengeblieben. Kennt ihr das noch? Als früher die CDs, wenn sie zerkratzt waren, im CD-Player oder Diskman (dass ich das Wort nochmal benutze!) hängenblieben. Das gab dann so ein leieriges oder quietschiges Geräusch, das einem in den Ohren weh tat.

Ich weiß nicht, ob das nur mir so ging. Aber bei meinen CDs hatte ich immer das Gefühl, das AUSGERECHNET an der Lieblingsstelle die CD anfing zu hängen. Ausgerechnet dann, wenn Nick von den Backstreet Boys zur Bridge ausholte. Ausgerechnet. Das hat in mir regelmäßig sehr emotionale Ausbrüche ausgelöst. Und bevor bei jemandem jetzt das Kopfkino losgeht: Ja, ich hatte überall in meinem Zimmer Poster von den Backstreet Boys. Und ja, ich war vermutlich verknallt. In Nick. Und in Bryan. Ich konnte mich leider nie entscheiden. Vermutlich wäre ich auch eines dieser Mädchen gewesen, das bei einem Konzert sehr laut: „Nick oder Bryan oder beide, ich liebe euch!!!“ geschrien hätte. Um danach in Ohnmacht zu fallen und von einem Sanitäter wegtransportiert zu werden. Der dann hoffentlich so süß gewesen wäre, dass ich Nick und Bryan direkt wieder vergessen hätte.

Hätte, wäre, wenn. Ich durfte nie auf ein Konzert der Backstreet Boys. Mit 14. Danke, Mama! Danke, Papa! Ja ok, ich habs überlebt. Knapp. Um den Exkurs zu beenden: irgendwie fühlt sich das Leben gerade an wie eine Backstreet Boys CD, die zwar toll ist und läuft, aber an vielleicht den liebsten Stellen hängt. Ich fand die ganze Situation bisher gar nicht so schlimm. Der Herzensmensch und ich müssen uns „nur“ um uns beide kümmern. Wir haben mehr als genug Arbeit. Tolle Puzzle. Zeit für Sport. Also ich. Er: Zeit für Playstationspiele. Wir kochen jeden Tag toll. Gehen spazieren. Spielen „Siedler von Catan“. Zwischendurch wird viel telefoniert, gezoomt, geskypt. Mit den Lieblingsmenschen. Oder mit der Freundin auf Abstand spazieren gelaufen.

Das Wetter ist traumhaft. Die Eisdielen dürfen sogar wieder aufmachen (Notiz an mich selbst: morgen wird das erste Eis des Jahres geholt). Alles gut, alles schön. Und doch frage ich mich manchmal im Stillen: welcher Wochentag ist heute nochmal? Welches Datum haben wir? What? Nächste Woche schon der 1. Mai? Wo sind die bitte die letzten sechs Wochen hin? Wie können Stunden, Tage, Wochen so schnell vergehen und dabei so verschwimmen? Es ist so viel passiert in der Welt. Und doch irgendwie gar nichts.

Und ganz langsam beginnt es, irgendwie zäh zu werden. Träge. Pappig. Oder eben wie diese hängende CD. Und ich sehne mich nach Menschen an unserem Tisch. Nach meiner Oma und meinem Opa. Nach unseren Freunden und Familien. Nach real touch. Nicht nur virtuell. Es ist ein Segen, dass es diese Möglichkeiten gibt, klar. Aber ich will mal wieder Berührungen spüren. Von meiner Mama umarmt werden. Meine Freundin auf die Backe küssen. Oder ihr eine Fussel vom T-Shirt zupfen. Ohne, dass mich dabei Blicke töten. Eigentlich möchte ich einfach, dass die CD wieder weiterläuft. Und die zerkratzten Stellen plötzlich weg sind. Und wir unsere Lieblingsstellen hören und lauthals mitsingen können. Das wünsche ich mir für ganz bald.

Bis dahin, gibt es Kuchen. Denn Kuchen hat in dieser Krise noch niemandem geschadet. Rhabarberkuchen sowieso nicht. Ich habe das Rezept für den Kuchen schon im letzten Jahr aufgeschrieben. Allerdings war da dann kein Platz auf dem Blog. Ehrlich, ich hab so viele Rezepte, die ich euch zeigen möchte, aber die Zeit, Kinners, die fehlt. Jedenfalls habe ich den Kuchen für das Shooting letztens nochmal gemacht und nochmals minimal in Richtung „gesund“ abgeändert.

Dem Herzensmensch hab ich das natürlich nicht verraten. Aus taktischen Gründen. Erst als er mit vollem Mund: „Megalecker, der Teig!“ gemurmelt hat, hab ich dann innerlich wieder ein bisschen gejubelt. Der Kuchen wird durch die Mandeln wunderbar saftig und schmeckt auch am 3. Tag noch hervorragend. Dann war auch bei uns der letzte Krümel verputzt. Wer es gerne süßer mag, darf natürlich die von mir immer gering gehaltene Süßungsmenge nach oben korrigieren. Aber das wisst ihr ja.

Habt es fein.
Eure Hannah

Rhabarber-Mandelkuchen "Upside-Down"

Equipment

  • Für eine kleine Springform (18cm Durchmesser)

Zutaten
  

  • 60 g Kokosöl am besten Zimmertemperatur, damit es weich ist
  • 3 Eier
  • 100 g Griechischer Joghurt
  • 5 EL Honig mehr, bei Bedarf
  • 2 TL Vanillezucker
  • 150 g gemahlene Mandeln
  • 150 g Mehl ich: Vollkornreismehl
  • 1 1/2 TL Backpulver
  • 2 EL gehackte Mandeln optional
  • 1 TL Zitronenabrieb
  • 1 Prise Salz
  • 3 Stangen Rhabarber
  • 1 EL Kokosöl
  • 1 EL Ahornsirup

Anleitungen
 

  • Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Den Rhabarber waschen, putzen und in ca. 1 cm große Würfel schneiden. In einer Schüssel mit einem Esslöffel Honig vermischen und beiseite stellen.
  • Das Mehl mit den geriebenen und gehackten Mandeln, dem Backpulver und dem Salz in einer Schüssel vermischen.
  • In einer Schüssel das weiche Kokosöl, den restlichen Honig und den Vanillezucker mit dem Rührgerät gut aufschlagen. Die Eier einzeln gut unterrühren. Dann den griechischen Joghurt und die Zitronenschale unterrühren. Zum Schluss die Mehlmischung kurz unterrühren, bis alles gerade so vermengt ist.
  • In die Springform ein Esslössel Kokosöl und zwei Esslöffel Ahornsirup geben. Auf die oberste Schiene in den Ofen stellen und 2-3 Minuten erhitzen. Aus dem Ofen nehmen und die Temperatur auf 180 Grad regulieren.
  • Die Rhabarberstücke auf dem Boden der Springform in der Ölmischung gut verteilen. Den Rührteig darauf geben und glattstreichen.
  • Im vorgeheizten Ofen ca. 45 Minuten backen. Stäbchenprobe machen.
  • Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und 10 Minuten abkühlen lassen. Dann den Rand der Springform entfernen und den Kuchen mithilfe eine Tellers stürzen, so dass die Rhabarberschicht oben ist. Auskühlen lassen.
  • Den Kuchen mit Vanille-Schlagsahne servieren.

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