Möhren-Kokos-Suppe mit Kaffirblättern – Gedankendilemma.

Ich lese gerade zum zweiten Mal einen dicken Wälzer über TCM („traditionelle chinesische Medizin“). Zeit hatte ich die letzten zwei Wochen ja genug. Ich habe das Buch schon mal durchgelesen und musste festgestellen, dass nicht mehr wirklich viel hängengeblieben ist. Von all dem kleingedruckten Wissen, dass das Buch vermittelt. Die Key Facts ja, aber wenn es dann um chemische Vorgänge in unserem Körper geht – und es geht sehr viel um chemische Vorgänge in unserem Körper – da blieb dann eher weißer Nebel im Kopf zurück. Dass das Studium ganz schön lange her ist, merke ich dann. Und die Schule noch länger.

Damals, als unser Gehirn vom vielen Auswendiglernen noch ziemlich trainiert war. Damals hätte ich gewusst, wie sich das mit den Triglyceriden verhält. Im Schlaf hätte ich gewusst, dass unser Körper 20 Aminosäuren benötigt. Selbstverständlich hätte ich sie, aus dem Tiefschlaf gerissen, auswendig herunterbeten können. Inklusive chemischer Formel. Ich hätte ebenso gewusst, dass unser Körper von den 20 Aminosäuren 8 nicht selbst bilden kann. Deshalb nennt man diese „essentielle“ Aminosäuren. Tryptophan ist zum Beispiel so eine Aminosäure. Ist euch alles völlig klar, oder? Hätte ich mir denken können. Mit meinem gefährlichen Halbwissen komme ich hier also nicht sehr weit, ohne dass ihr mich direkt ertappt. Ich hör ja schon auf.

Eines will ich aber noch zu Tryptophan sagen: ich wusste bis vor ein paar Monaten nicht mal, dass es existiert und schon dreimal nicht, dass es sich um eine essentielle Aminosäure handelt. Erst meine Kinesiologin hat mir vor einiger Zeit aus verschiedenen Gründen Tryptophan als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Und was sie befiehlt, setzt Hannah um. Eh klar. Tja, was soll ich sagen? Da Tryptophan den Serotoninhaushalt ins Gleichgewicht bringt, wirkt sich das positiv auf den Schlaf aus. Übersetzt heißt das: ich schlafe wie ein Baby! Aber wirklich. So richtig. Ich hatte immer einen sehr leichten Schlaf. Die Zeiten sind vorbei. Und ich bin morgens ausgeruht wie nie zuvor. Dann hab ich einer Freundin davon erzählt. Sie schläft jetzt auch wie ein Baby. Und sie hatte wirkliche Schlafstörungen.

Ich wollte allerdings natürlich auf etwas anderes heraus. In meiner TCM-Bibel wird (natürlich) auch auf tierisches Eiweiß und tierisches Fett eingegangen. Klar. Und der Autor, ein sehr sympathischer Arzt aus Österreich, brachte mich wieder einmal in mein seit Jahren innerlich bestehendes Dilemma. Tiere essen oder nicht. Und damit meine ich hauptsächlich Fleisch und Fisch. Wurst esse ich eh seit Jahren nicht mehr. Zweimal im Jahr ein bisschen Parmaschinken ist wirklich die allerhöchste Ausnahme. Auch wenn der liebe österreichische Arzt sich aus sehr nachvollziehbaren, gesundheitlichen Gründen für die hauptsächliche Vermeidung von Milchprodukten im Allgemeinen ausspricht, darum geht es bei mir nicht.

Ich würde behaupten, die Verwendung von diesen ist bei uns so verschwindend gering, dass sich die liebe Milz (das Zentrum unserer Mitte bei der TCM) nicht beschwert. Und hey, nichts geht über ein Stück guten, reifen, stinkenden Bergkäse. Oder Ziegencamembert. Oder Roquefort. Nein, mir geht es schon eher um das ethische Ding. Wenn schon, denn schon. Klar, auch das Klima (nicht erst seit Greta, eh klar!). Auch die Umwelt. Auch das Co2. Und so weiter und so fort. Alles sehr wichtige und nicht wegdiskutierbare Gründe. Fleisch aus dem Supermarkt gab es aber sowieso noch nie. Das hab ich so von zuhause mitbekommen. Es kommt Fleisch auf den Tisch, von dem man weiß, wo es herkommt. Das Rind vom Biolandhof im Dorf nebenan. Die Pute aus der eigenen Zucht der Kollegin meiner Mama.

Der Hirsch und das Reh direkt vom Förster. Am Stück. Damit mein Papa seinen Samstag damit verbringen konnte (oder immer noch kann), das Tier zu zerlegen. Da hab ich schon als Kind und Jugendliche direkt das Haus verlassen. Mir ist klar, dass nicht jeder sich aus diesen Quellen versorgen kann. Darum geht es mir auch nicht. Sowieso geht es mir ja nicht darum, was ihr aus dem ganzen Thema macht. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich stelle mir persönlich einfach immer wieder die Frage, was mich nach wie vor dazu bewegt, Fleisch zu essen. Wir essen es so wenig. Der Herzensmensch und ich. Im Schnitt gerade vielleicht alle drei Wochen mal. Aber so ganz lassen tun wir es dann nicht. Und innerlich stehe ich immer vor dem Dilemma: warum nicht konsequent einfach Vegetarierin werden? Was hält mich davon ab?

Der chronisch Vitamin B12-Mangel ganz sicher nicht. Der wird auch nicht behoben, wenn ich einmal in drei Wochen Fleisch esse. Der Geschmack? Das „sich-etwas-gönnen?“ Denke ich so wirklich? Ja, mir schmeckt schon das eine oder andere Stück Fleisch. Aber es wäre nichts, aus was ich nicht auf verzichten könnte. Schokolade wäre da tatsächlich ein Thema. Aber ein Stück Rindfleisch? „Schau einer Kuh 10 Minuten in die Augen. Und dann iss sie.“ So schreibt mein lieber Arzt. Und genau darum geht es bei mir vermutlich. Um das Lebewesen auf meinem Teller. Das jetzt tot da neben Süßkartoffelpürree liegt. Das ist wohl meine eigene Schmerzgrenze. Mich selbst über dieses Tier stellen. Das fühlt sich schlicht falsch an.

Aber gut. Das sind meine Gedanken und nichts davon muss hier irgendwen beeinflussen. Deshalb gibt’s hier einfach weiterhin die gute, vegetarische Küche. Und wem etwas fehlt, darf selbst kreativ werden. Bei der Suppe – um mal wieder zum Rezept zu kommen – fehlt meiner Meinung nach gar nichts. Sie ist einfach lecker, so wie sie ist. Und sie weckt alle unsere Lebensgeister aus dem Winterschlaf. Perfekt für den Februar.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für zwei gute Esser

5 Möhren (ca. 500 g)
1 Zwiebel
1 daumengroßes Stück Ingwer
1 Chilischote
4 Kaffirlimettenblätter
6-8 Curryblätter (optional)
500 ml Gemüsebrühe
200 ml Kokosmilch
1 TL Currypulver
½ TL Kurkuma
¼ TL Cayennepfeffer
Salz
Kokosöl
Etwas frischer Koriander

Die Möhren schälen und in 1 cm grobe Würfel geschnitten. Die Zwiebel schälen und fein hacken. Den Ingwer waschen und in 2mm dicke Scheiben schneiden. Die Chilischote waschen und in dünne Ringe schneiden. Den Koriander waschen und die Blättchen abzupfen.
In einem kleinen Topf die Kokosmilch erhitzen. Die Curry- und Limettenblätter, sowie die Ingwerscheiben und Chiliringe hineingeben und mit geschlossenem Deckel mindestens 30 Minuten sanft köcheln lassen.
Währenddessen etwas Kokosöl in einem großen Topf erhitzen. Die Zwiebel darin glasig anschwitzen. Kurkums und Currypulver einrühren. Die Möhren dazugeben und kurz mitanbraten. Alles mit der Brühe ablöschen und 20-25 Minuten köcheln lassen, bis die Möhren weich sind. Entweder alles in einen Standmixer geben oder mit dem Pürierstab zu einer sämigen Suppe pürieren.
Die Kokosmilch über einem Sieb abgießen und in die Suppe einrühren. Alles nochmals kurz aufkochen lassen.
Die Suppe in vorgewärmte Schalen füllen und mit etwas Koriander garnieren.

Übrigens:
Die Anschaffung von Kaffirlimetten- und Curryblättern ist nicht unbedingt notwendig. Die Suppe schmeckt auch so. Sinnvoll ist sie aber allemal. Ihr könnt damit sehr einfach tolle Curries auf Kokosmilchbasis aufpeppen, indem ihr die Kokosmilch wie oben beschrieben köchelt und am Schluss zum Curry gebt.

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