Aprikosen-Quark-Knödel mit Mandelbröseln und Aprikosenkompott – Stimmungsschwankung.

Hormonelle Schieflage. So nenne ich das gerade. Morgens aufwachen und schon alles doof finden. Das Aufstehen doof finden. Das Vogelgezwitscher doof finden. Die Morgenroutine doof finden. Die Arbeit doof finden. Den ganzen Tag doof finden. Sich selbst doof finden. Wobei doof noch sehr nett ausgedrückt ist. Am liebsten davon gerannt wäre ich vergangenen Freitag vor mir. Aber so richtig schnell. Schnell weg von der Irren. Dachte ich andauernd. So richtig angenervt war ich. Im Nachhinein natürlich nicht schlimm. So Tage gibt’s. Wie gesagt: hormonelle Schieflage.

Vielleicht auch: das repräsentative Ich gegen das wahre Ich getauscht. Mal kurz zugelassen, dass gerade vielleicht nicht alles geil ist. Dass ich mir damit dann so auf den Wecker gehe, hätte ich aber nicht gedacht. Dann doch wieder das repräsentative Ich. Das grinst und sagt: Logo, alles ok gerade. Ok, ich übertreibe. So schlimm ist es nicht. Aber die Stimmungsschwankungen, die hab ich schon. Und unter denen leidet natürlich der Herzensmensch ganz besonders. Eh klar.

Der mich erträgt, wenn ich samstagnachmittags plötzlich anfange zu heulen, weil ich einen „einsamen“ Mann gesehen und das auf die ganze Welt potentiert habe. So viele Menschen. So einsam. Dabei wusste ich nicht mal, ob er wirklich einsam war. Mit seinem Fotoapparat um den Hals. Vielleicht ist er nur gerade vor seiner Frau geflohen. Die in einer hormonellen Schieflage steckt. Wie auch immer. Der Herzensmensch erträgt’s geduldig. Schaut mich nur ab und an mit hochgezogenen Augenbrauen an. Versteht die Welt nicht mehr, wenn er morgens nichtsahnend in die Küche kommt und ich schon schimpfe wie ein Rohrspatz.

Und sichert mir volle Rückendeckung und Unterstützung zu, wenn ich ihm an besagtem Freitag vor zwei Tagen eröffne: Du, Janni, ich glaub, ich bin jetzt Vegetarierin. Zack. Da war es raus. Und es war ein Befreiungsschlag. Innerlich. Weil ich endlich für mich eine klare Entscheidung getroffen habe. Schon längere Zeit habe ich immer wieder sehr gehadert. Habe mich schwer damit getan, Fleisch zu essen, bei dem ich nicht wusste, wo es herkam. Fand es ganz schrecklich, herauszufinden, dass unser Metzger nicht selber schlachtet. Damit war das dann leider tabu. Fleisch aus dem Supermarkt ging sowieso noch nie wirklich.

Und auch wenn wir nie viel Fleisch gegessen haben, der Herzensmensch und ich, so war es doch ab und zu Bestandteil unserer Küche. Aber in den letzten Monaten habe ich mich immer mehr damit beschäftigt. Habe es nicht mehr ertragen, was ich da alles gelesen habe. Hab bereits in diesem Blogpost darübergeschrieben. Über mein Gedankendilemma. Es kam also nicht von ungefähr. Auch für den Herzenmensch nicht. Der mich am Abend zuvor schon erlebt habe, wie ich beim Grillen vor einer immensen unsichtbaren Hürde stand, weil ich von dem Fleisch nichts essen wollte. Jetzt isses so.

Nach außen hin ändert sich nicht viel. Aber innerlich atme ich auf. Und bin gespannt, auf die Erfahrungen, die ich machen werde. Es aussprechen ist dann doch nochmal etwas anderes. Die ersten Reaktionen meines Umfelds waren schon mal sehr durchwachsen. Von krassem Unverständnis bis zu absolutem Verständnis. Aber damit ich komm ich klar. Die Bitte, nicht dogmatisch zu werden, war auch dabei. Keine Sorge. Werde ich nicht. Ich weiß ja selbst nicht, wie lange diese Reise dauert und wohin sie mich führt. Ich bin aber neugierig, das herauszufinden.

Schokoladenpfeffer hat es im Übrigen gelassen genommen. Weils hier sowieso zu 98% vegetarisch zugeht. Daher ist es grad wurscht. Das Drama wäre vermutlich größer gewesen, wenn ich beschlossen hätte, es gäbe keine Desserts mehr in meinem Leben. Und somit auf dem Blog. No way! Ganz nach dem Motto, das ich von klein auf verinnerlicht habe: Life is short. Eat dessert first! Deshalb gibt’s heute natürlich Dessert. Aprikosenknödel. Auch genannt: Marillenknödel. Eines meiner absoluten Lieblingsdessert. Weil: Knödel. Wer hier schon länger mitliest, kennt meine Schwäche für Knödel und Nocken aller Art.

Mit einem fluffig-flaumig-weichen Teig aus Quark. Gewälzt in Mandelbröseln. Mit Honig gesüßt. Mal wieder Genuss ohne Reue. Ich habe für den Herzensmenschen und mich ein Aprikosenkompott gemacht. Beim zweiten Mal, als ich sie für liebe Freunde zum Dessert gemacht habe, gab es dazu eine Tonkabohnensauce. Prinzipiell diese Vanillesauce nur mit Tonkabohne anstelle der Vanille. Darauf gekommen bin ich, als ich vor Kurzem unser Hochzeitsmenü in der Hand hielt. Da gab es zum Dessert unter anderem Aprikosenknödel mit Tonkabohnencreme. Ganz schön schnell stand ich da am Buffet und hab mir Knödel gesichert. Hormonelle Schieflage hin oder her: solange ich einen Teller Aprikosenknödel vor mir habe, ist die Welt in Ordnung. Vielleicht hilfts bei euch ja auch.

Habt es fein.
Eure Hannah

Aprikosen-Quarkknödel mit Mandelbröseln und Aprikosenkompott

Portionen 8 Knödel

Zutaten
  

Für die Knödel

  • 250 g Quark (ich: 20%)
  • 70 g Grieß (ich: Hirsegrieß)
  • 70 g Mehl
  • 1 EL Kokosöl (oder Butter)
  • 1 TL Honig
  • 1 Prise Salz
  • 8 reife Aprikosen
  • 70 g gemahlene Mandeln
  • 40 g Semmelbrösel
  • 3 EL Kokosblütenzucker (oder Rohrohrzucker)
  • etw. Zimt
  • 2 EL Butter

Für das Aprikosenkompott

  • 5 reife Aprikosen
  • 3 EL Honig
  • 50 ml Orangensaft
  • 1 Prise Zimt

Anleitungen
 

Für die Knödel

  • Den Quark in ein Sieb geben und etwa eine Stunde abtropfen lassen, damit er etwas trockener wird.
  • Das Kokosöl erwärmen, damit es flüssig wird. Die Aprikosen waschen, an einer Seite öffnen und entsteinen. Beiseite stellen. Mehl und Grieß mit einer Prise Salz vermischen.
  • In einer Schüssel ein Esslöffel Kokosöl mit dem Honig gut verwirlen. Das Ei hinzufügen und gut unterrühren. Quark, Mehl und Grieß abwechselnd unterheben. Den Teig für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. In der Zwischenzeit das Kompott vorbereiten.
  • Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, zu einer dicken Rolle vornehmen und in 8 gleichgroße Teile schneiden. Die Teile jeweils auf der Handinnenseite flach drücken, die Aprikose hineinlegen und den Teig darumherum gleichmäßig verschließen.
  • Einen großen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Knödel hineingeben, die Temperatur etwas herunterdrehen, bis das Wasser noch leicht köchelt und die Knödel darin ca. 15-20 Minuten ziehen lassen. Mit einer Schaumkelle herausheben und in einer Schüssel warmhalten.

Für das Kompott

  • Die Aprikosen waschen, entsteinen und vierteln.
  • Den Honig in einem kleinen Topf erhitzen und mit dem Zimt verrühren. Die Aprikosen hinzugeben. Mit dem Orangensaft ablöschen und 15-20 Minuten einkochen lassen. Etwas abkühlen lassen.

Für die Mandelbrösel

  • Die Butter in einer Pfanne schmelzen. Die gemahlenen Mandeln, die Semmelbrösel und den Kokosblütenzucker hinzugeben und etwas anrösten. Die lauwarmen Knödel darin wenden und mit dem Aprikosenkompott servieren.

Notizen

Die Knödel kann man übrigens wunderbar einfrieren. Dabei einfach in ungekochtem Zustand in den Tiefkühler geben und bei Verwendung gefroren in kochendem Salzwasser 5 Minuten länger kochen.

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