Erbsen-Frikadellen – Herausforderungen umarmen.

„Herausforderungen umarmen“. So heißt eine meiner liebsten Yin Yogastunden auf dem Online-Yogaportal, bei dem ich angemeldet bin. Immer und immer wieder praktiziere ich sie und jedes Mal bin ich danach wunderbar geerdet, sehr positiv gestimmt und habe das Gefühl, alles zu meistern. Dabei ist die eigentlich Yogapraxis innerhalb der Stunde teilweise alles andere als erdend. Im Gegenteil. Viele Posen gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingsasanas, sind unbequem und gehen tief in die Dehnung. Aber darum geht es nicht.

Es geht vielmehr um das Aushalten der Posen und Dehnungen. 2 Minuten und länger. Um richtig schön in die tiefsten Gewebeschichten vorzudringen. Und dabei tief atmen, ganz bei sich sein und den Geist und die Muskulatur komplett entspannen. Oder eben so gut es geht. Hah, klingt einfach. Isses nicht! Mir ging das schon des Öfteren so. Dachte, ich will den Tag ruhig und fokussiert, ohne Anstrengung, ausklingen lassen. Also mach mal ein bisschen Yin zum Runterkommen. Von wegen. Bei Yin Yoga komme ich tatsächlich regelmäßig an meine Grenzen. Körperlich, wie geistig. In unangenehmen Dehnhaltungen meinen Geist loszulassen und tief und frei atmen. Nee, das funktioniert nicht immer so richtig.

Aber ich werde besser. Je mehr ich Yin übe. Und je öfter ich die oben genannte Stunde (oder auch andere Yin Stunden) praktiziere, desto mehr löst sie in mir aus. Und letztendlich war sie der Anstoß zu einer ziemlich großen Herausforderung, vor die ich mich gestellt habe. Und die ich eigentlich auch umarmen will. Oder zumindest mal annehmen. Und aushalten. Die Umarmung folgt vielleicht irgendwann. Nein, ich laufe nicht über eine Slackline, die über einen Abgrund gespannt ist. Ich gehe auch nicht zum ersten Mal in meinem Leben in den Europa Park und versuche meine panische Angst vor Achterbahnen zu überwinden. Damit bin ich durch. Das kratzt mich nicht mehr. Wenn wir mal Kinder haben, muss der Herzensmensch diesen Job übernehmen. Ich warte dann mit dem Essen zuhause.

Nein. Meine Herausforderung ist die diesjährige Fastenzeit. Aschermittwoch hat sie begonnen und endet an Ostern. Seit ich denken kann faste ich irgendetwas. Zucker ist eigentlich immer dabei. Auch mal Kaffee. Wobei das alles immer nicht wirklich herausfordernd ist, wie man sich bei mir denken kann. Ich solle Sport fasten. Meinte meine Mutter vor zwei Jahren. Haha. Lustig. Nicht. Außerdem liegen zwischen der Fastenzeit vor zwei Jahren und der diesjährigen mehrere Episoden mit entzündeten Zwischenrippennerven und einer Menge Arbeit an mir selbst. Das Sport-Thema ist also zwischenzeitlich etwas überholt. In diesem Jahr, und darauf will ich ja eigentlich hinaus (s. diesen Blogpost zum Thema „auf den Punkt kommen“), verzichte ich, neben den Süßis, auf mein Smartphone. Also fast. Ganz ohne geht nicht. Also würde schon gehen. Aber lassen wir das.

Ich versuche aber, soweit es geht darauf zu verzichten. Und das ist hart. Ganz schön hart. Auch genannt: Digital Detox. Ich bin wahrlich nicht der Handyjunkie schlechthin. Und meine wöchentliche Bildschirmzeit war nie höher als 1:20 h am Tag. Und doch ist das 1/16 meines Tages, den ich aufs Handy glotze. Und meistens für nichts. Mal kurz Instagram checken. Mails checken. Pinterest checken. Kleiderkreisel checken. WhatsApp checken. Schuhe bei Görtz in den Einkaufswagen legen. Wo sie dann liegen bleiben, weil ich sie doch lieber im Lieblingsschuhladen kaufe. Eben alles mal kurz hier, mal kurz da. Und das wurde mir mal kurz zu viel. Ich habe mich selbst immer als sehr aufmerksam empfunden. Das habe ich in letzter Zeit nicht mehr. Auch ich stand in der S-Bahn und hab nur aufs Handy geguckt und vielleicht gar nicht gemerkt, wie jemand Hilfe beim Aussteigen gebraucht hätte. Oder vielleicht einfach nur gerne angelächelt worden wäre. Oder was auch immer. Ist ja wurscht.

Mein Handy war oft eine günstige Ablenkung. Die ich aber irgendwann als störend empfand. Bei der Arbeit muss ich täglich mindestens eine Email schreiben, die nicht unbedingt angenehm ist. In der ich ziemlich deutlich werden muss. Unnett. Aber immer politisch korrekt formuliert. Das ist nicht immer einfach. Was habe ich also gemacht? Währenddessen mal kurz das Handy gecheckt. Und damit eine Möglichkeit zum Ausweichen gesucht. Das gibt’s jetzt erstmal sieben Wochen nicht mehr. Und danach bleibt es hoffentlich so. 2-3 Slots am Tag will ich mir einrichten, an denen ich mir erlaube, kurz Nachrichten zu beantworten oder vorhin genannte Dinge zu checken.

Ich bin gerade noch in der Findungsphase, wann das am Tag sein wird. Aber das wird sich einpendeln. Leicht fällt es mir (noch) nicht. Aber ich freue mich auf die Herausforderung. Ob ich sie letztendlich umarmt habe, erzähle ich euch bald. Jetzt gibt es erstmal absolut oberköstliche Erbsenfrikadellen. Die sind so gut, dass wir sie innerhalb der letzten 2 Wochen dreimal gegessen haben. Ok, es lag auch daran, dass ich ungefähr 180 Bällchen geformt hatte. Und trotzdem waren wir jedes Mal glücklich, wenn sie abends wieder auf dem Tisch standen. Ich habe euch heute lauter Grünzeugs mit dazu gepackt. Wegen dem nahenden Frühling und so. Aber sie schmecken auch gut in einem Wrap oder in einer Tomatensauce.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für zwei Personen (oder ca. 10 Frikadellen)

Für die Frikadellen
1 kleine rote Zwiebel
150 g Erbsen (tiefgekühlt)
200 g weiße Bohnen (abgetropft, aus der Dose oder selbstgekocht)
1 kleine rote Chilischote
25 g Haferflocken
25 g Parmesankäse
Abrieb einer halben Zitrone
Salz
Pfeffer
Olivenöl

Für den Zitronenjoghurt
200 g griechischen Joghurt
Saft einer halben Zitrone
Salz
Pfeffer

Und sonst noch
Brauner Reis (oder anderes Getreide nach Belieben)
Gurke
Edamamebohnen (tiefgekühlt und aufgetaut)
Avocado
Babyspinat
Kresse

Den braunen Reis nach Packungsanleitung kochen.
Für die Erbsenfrikadellen die Zwiebel schälen und sehr fein hacken. Die Chilischote in dünne Ringe schneiden und ebenfalls fein hacken. Parmesankäse reiben. Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebeln und Chili darin anbraten, bis die Zwiebeln leicht gebräunt sind und schön duften. Alle anderen Zutaten für die Frikadellen in einen Standmixer geben und mixen, bis eine homogene Masse entsteht. Zusammen mit den Zwiebeln in einer Schüssel gut vermengen. Aus der Masse mit feuchten Händen walnussgroße Bällchen formen und auf einen Teller legen. Ca. 20-30 Minuten in den Kühlschrank stellen. In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Frikadellen darin 12-15 Minuten bei mittlerer Hitze garen, ab und zu wenden.
Für die Joghurtsauce alle Zutaten gut verrühren.
Die Frikadellen zusammen mit den anderen Dingen auf Tellern anrichten und mit der Joghurtsauce servieren.

Tipp: Die Frikadellen lassen sich sehr gut einfrieren. Dafür nur 8-10 Minuten garen, danach vollständig abkühlen lassen und einfrieren. Auftauen lassen und nochmal ein paar Minuten anbraten.

Tipptipp: Ich liebe braunen Reis und koche mir meist eine große Schüssel davon und bewahre ihn im Kühlschrank auf. So hab ich ihn immer griffbereit und kann ihn mit den tollsten Sachen kombinieren.

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