Bruschetta 2.0 mit eingelegten Ofentomaten – In Seenot.

„Ich will auch mal in Tomaten ertrinken.“ Sagt der Herzensmensch jeden Sommer, wenn wir bei meinen Elten vorbeischauen. Denn das tun meine Eltern. Jahr für Jahr. Und finden es aber gar nicht schlimm. Türme aus Tomaten werden da in der Küche gebaut. Große, kleine, runde, flache, herzförmige, ovale, rote, gelbe, grüne, schwarze. Gepunktet, gestreift, clean. Fleischig, saftig, fest. Alte Sorten, uralte Sorten, neue Sorten. Bestimmt 30 Tomatenpflanzen und 15 verschieden Sorten. Dann gehen wir zu meinen Großeltern und auch da sieht es nicht anders aus.

Auch hier türmen sich die verschiedensten Tomaten. Und auch hier staunen wir nicht schlecht. Und nehmen gern die handgroße, fast kiloschwere Ochsenherztomate mit nach Stuttgart. Dort haben wir sie bisher immer neben unser kleines Türmchen gelegt. Das kleine-Geschwister-Türmchen sozusagen. Von den 5 Tomatenpflanzen, die der Herzensmensch auf unserem Balkon jedes Jahr hegt und pflegt. Wir hatten immer eine reiche Ernte für uns zwei. Und völlig ausreichend. Keine Frage. Aber ertrunken sind wir darin nicht. Und das war im Stillen schon der Anspruch vom Herzensmenschen. Bis 2020 kam.

In diesem Jahr ist alles anders. Sowieso. Aber auch auf unserem Balkon ist alles anders. Ich glaube, die Tomaten haben gespürt, dass es unser letzter Sommer hier ist. Dachten: „Nochmal alles geben. Können wir.“ In diesem Jahr hat der Herzensmensch zum ersten Mal gesagt: “Wir ertrinken noch in Tomaten.“ Und ich hab ihm nicht widersprochen. Wobei es für mich eher einer Seenot gleicht, aus der wir uns noch retten können. Aber es sind schon sehr, sehr, sehr viele Tomaten, die wir da jeden Tag ernten. Und ich überlege natürlich fieberhaft, wie ich sie alle verschaffen kann. Der liebe Herr Ottolenghi ist mir wie so oft ein großer Helfer. Meine Inspirationsquelle Nummer eins. Eh klar.

Die verschiedensten Tomatensalate gab es daher schon. Mal mit Pinienkernen. Mal mit Kapern (genial!!!). Mit Granatapfelkernen. Mit Petersilie. Unglaublich lecker alles. Dauergast in unserer Sommerküche ist auch der unglaublich tolle Melonen-Tomatensalat aus dem letzten Jahr. Und dennoch: der Tomatenturm wächst täglich weiter. Also mache ich den Sugo für die Parmigiana das erste Mal aus einem Kilo eigene Tomaten. Sobald es im Sommer (deutsche) Auberginen auf dem Markt aus Papas Garten gibt, wandern diese erstmal in eine Parmigiana. Das hat mittlerweile Tradition. Für den Tomatensugo habe ich aber bisher immer Tomaten vom Markt von meinen Eltern genommen, da ich unsere etwas überschaubarere Ernte zu schade dafür fand. Bis in diesem Jahr. Und ihr könnt euch vorstellen, das war ein Fest.

Und das Tolle: der Tomatenturm wurde quasi nicht kleiner. Also überlege ich bereits, wie ich die Tomaten haltbar verarbeiten kann, damit wir nicht für die nächsten zwei Monate täglich Unmengen Tomaten essen müssen. Ich bin da ein bisschen ein gebranntes Kind. Wegen der Zucchinis. Und der unzähligen Zucchinigerichte die wir als Kinder essen mussten. Bei Mama und bei Oma. Jeden Tag Zucchini. Also werden die großen Tomaten zu Sugo verarbeitet. Damit wir auch im Winter nach Lust und Laune eine Tomatensauce parat haben. Ein beträchtlicher Teil der Cocktailtomaten dürfen hingegen im Ofen schmoren. Mit viel Olivenöl, Kräutern und etwas Honig. Abgefüllt in sterile Gläser, halten sie sich gut verschlossen bis zu mehreren Monaten. Also theoretisch. Praktisch sind sie so lecker, dass wir in einer Woche drei Gläser verputzt haben.

Oftmals auf geröstetem Brot. So wie heute mitgebracht. Bruschetta 2.0 quasi. Die Deluxevariante. Manchmal aber auch mit Ziegenkäse anstelle des Parmesans. Auch zum Reinliegen. Oder ich habe sie auf Rucola gebettet und eine Kugel Burrata darüber zerfließen lassen. Huiuiui. Man kann sie aber auch einfach so aus dem Glas futtern. Oder eine schnelle Pasta damit zaubern und einfach mit viel frischem Basilikum unter die Spaghetti rühren. Oder unter diese flaumigen Gnudi mischen. Ihr seht, es gibt Möglichkeiten. Falls ihr euch also auch in Tomaten-Seenot befindet, lege ich euch wärmstens ans Herz, gleich ein paar Gläser mehr zu machen, damit ihr alle Möglichkeiten ausprobieren könnt. Oder aber einfach, um im Herbst noch etwas Sommer zu haben.

Habt es fein.
Eure Hannah

Bruscetta 2.0 mit eingelegten Ofentomaten

Portionen 3 große Marmeladengläser

Zutaten
  

Für die Tomaten

  • 1 kg Cocktailtomaten
  • 40 ml Olivenöl
  • 40 ml Balsamicoessig
  • 1 TL Meersalz
  • etw. schwarzer Pfeffer
  • 1 TL Honig
  • 1 kleine rote Chilischote (optional)
  • 3 Zweige Rosmarin
  • 3 Zweige Thymian

Für die Bruscetta (für zwei gute Esser)

  • ein paar Scheiben geröstetes Weißbrot
  • 1 Handvoll Rucola
  • 2 EL Pinienkerne
  • etw. Parmesankäse
  • 1 Glas Ofentomaten

Anleitungen
 

Für die Tomaten

  • Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Die Tomaten waschen, halbieren und in einer Auflaufform verteilen. Die Chilischote waschen und fein hacken. Die Chili, Olivenöl, Essig, Honig, Salz und Pfeffer zu den Tomaten geben und gut vermengen. Die Rosmarin- und Thymianzweige etwas zwischen den Händen reiben um das Aroma zu entfalten und unter die Tomaten mischen.
  • Im vorgeheizten Backofen ca. 45-60 Minuten schmoren lassen.
  • Aus dem Ofen nehmen, die Kräuter entfernen und heiß in ausgekochte Gläser füllen. Gut verschließen.

Für die Bruscetta

  • Das Brot in Scheiben schneiden und entweder toasten oder in einer Grillspanne rösten. Noch heiß mit etwas Olivenöl bestreichen. Beiseite stellen.
  • Den Rucola waschen und trockenschütteln. Den Parmesan in Späne hobeln. Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten.
  • Den Rucola auf das Brot legen. Darauf großzügig die gerösteten Tomaten verteilen. Parmesan und Pinienkerne darüber streuen und servieren.

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2 Kommentare

  1. Liebe Hannah,
    Ich ertrinke ebenfalls in Tomaten, da kommt dein Rezept wie gerufen!!
    Klappt das mit der Haltbarkeit tatsächlich? Ganz ungekühlt?
    Viele Grüße Steffi

    1. Liebe Steffi,
      das klappt wunderbar, das Öl macht sie haltbar.
      Falls du unsicher bist, kannst du die Ölmenge auch noch etwas erhöhen, das schadet nicht.
      Ich habe im Januar ein Glas vom letzten Sommer im Keller gefunden und das immer noch supergut.
      Sobald du das Glas angebrochen hast, würde ich sie jedoch im Kühlschrank aufbewahren.

      Viele liebe Grüße
      Hannah

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