Gefüllte Tomaten – Lavendelträume und Aprikosenduft.

Sonnengebräunt, tiefenentspannt und den Kopf voller Inspiration bringe ich euch heute etwas provenzalischen Flair auf den Teller. Quasi aus dem Urlaub mitgebracht. Im Köfferchen. Neben allerlei Ziegenkäse, Aprikosen und wunderbaren Erinnerungen. Die letzte unserer beiden Urlaubswochen haben wir nämlich in der nördlichen Provence, genauer gesagt im Naturpark Vercor in der Drôme, verbracht. Gewohnt haben wir bei Micha und Fried, die vor vielen Jahren von Deutschland aus dorthin ausgewandert sind. Micha steckt hinter dem Blog „Salzkorn“ und ist seit langer Zeit eine meiner liebsten Bloggerkolleginnen. Umso schöner, dass ich sie jetzt persönlich kennenlernen durfte.

Ich plane ganz fest, zu unserer Zeit in der Drôme, genauso wie zu unserem wunderbaren Aufenthalt in Südtirol und am Walchensee die Woche davor noch einen eigenen Blogpost zu schreiben. Weil es hier immer noch die bisher leere Rubrik „Reisen“ auf dem Blog gibt, die mir in regelmäßigen Abständen im Nacken sitzt und ins Ohr flüstert, dass sie auch mal ihre Aufmerksamkeit haben möchte. Bekommt sie. Versprochen. Aber heute geht es um etwas anderes. Um dieses wunderbare Tomatenrezept, mit dem ich die Tomatensaison einläute, auf der einen Seite. Eh klar.

Auf der anderen Seite geht es aber darum, was die wunderbare Woche in der Drôme wirklich passiert ist. Neben dem Schlendern über die tollen Wochenmärkte. Neben dem Mundraub der vollhängenden Aprikosenbäume am Wegesrand unserer Wanderungen. Neben der Suche nach immer noch schöneren Badestellen der unheimlich klaren Flüsse überall. Das war alles einfach nur toll. Aber in mir drin. Da ist auch etwas passiert. Ich hatte plötzlich das Gefühl, wieder eine wirkliche Verbindung zu mir aufzubauen. Zu meinem Körper und zu meiner Seele. Mich neu wahrzunehmen.

Ich hatte das Gefühl, einen Gang runterzuschalten. Einfach so. Eine Nummer langsamer zu machen. Ohne, dass ich mir das vorgenommen habe. Es ist einfach passiert. Das, was ich mir seit Monaten vornehme. Zumindest spätestens seit meinen Nervengeschichten und dem ganzen Drumherum. Das, wofür ich meditiere und Yoga praktiziere. Immer dem Wunsch hinterherrennend, dass es mich runterbringt. Mich entspannt. Mich aus dem Flucht- und Kampfmodus reißt. Bisher ziemlich vergebens. Um mal maximal ehrlich zu mir zu sein. Den Unterschied habe ich in der letzten Woche gespürt. Aber so richtig.

Es war plötzlich nicht mehr da. Das Bedürfnis, den Herzensmenschen täglich zu 20km Wanderungen zu zwingen, um meinen Bewegungsdrang zu stillen. Knieschmerzen und Muskelkater von ihm und Rückenschmerzen von mir ignorierend. Von morgens bis abends unterwegs zu sein, nonstop auf Achse, alles mitnehmen was geht. Für jeden Tag den perfekten Plan A haben. Und noch Plan B und C in der Hinterhand. Das gab es in diesem Urlaub nicht. Stattdessen gab ganz viel Träumerei.

Das fing bereits morgens an. Mein erster Gang war aus dem Schlafzimmer auf die Terrasse, die unvorstellbare Aussicht zu bestaunen. Um mich dann zwischen die Lavendelbüsche zu setzen und ein paar Minuten einfach nur in die Landschaft zu gucken. Und dem Summen der Bienen zu lauschen. Das Frühstück fiel jeden Tag überdurchschnittlich lange aus. Und war überdurchschnittlich lecker. Süße Aprikosen mit würzigem Ziegenfrischkäse und Honig bestrichen. Frische Croissants. Café au Laît. Herrlich. Den zweiten Kaffee gab es, nachdem die Küche aufgeräumt war. Dabei sprachen wir das erste Mal über die Gestaltung des Tages. Um dann irgendwann gemütlich aufzubrechen.

Wir haben kleine (Fluss-)Wanderungen, Kanufahrten und auch mal eine große Wanderung direkt vom Haus aus gemacht. Oft lagen wir zwischendurch wieder an einem der schönen und einsamen Flüsse und malten unser Haus auf und redeten über Raumaufteilungen, Quadratmeter und in welcher Etage überall ein Bad sein sollte. Bis in den Abend hinein. Wir kochten herrlich und bedienten uns jeden Abend in Michas riesigem Kräutergarten. Wir tranken zu viel Wein. Es fühlte sich alles so gut an. So vollkommen. Ohne Hetze. Ohne Zeitdruck. Entspannt und entschleunigt. Und ich brauchte nicht mehr. Kein zusätzliches Joggen, kein Yoga, kein Plan A oder B oder C.

Im Jetzt leben. Das kann ich nicht gut, meint der Herzensmensch immer. Ich bin immer allem schon zwei Schritte voraus. Durchgetaktet und kontrolliert. Das habe ich in der Woche losgelassen. Und es fühlte sich so gut an. So frei. Ich bin ein bisschen glücklich. Hab ich irgendwann meiner Besten per Sprachnachricht geschickt. Das war sehr, sehr stark untertrieben. Jetzt sind wir wieder hier. Und der Alltag kommt langsam wieder. Und ich muss an mir arbeiten. Aber die Verbindung im Inneren ist noch da. Zu mir selbst. Und die lass ich nicht mehr los. Das hab ich mir versprochen.

Für euch gibt es jetzt das versprochene Rezept. Wir haben es in Frankreich mit wunderbaren Tomaten von einem der Märkte gemacht. Ich lege euch ans Herz, die besten Tomaten zu verwenden, die ihr bekommen könnt (idealerweise natürlich aus dem eigenen Garten), das Gericht steht und fällt damit.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für zwei gute Esser

4 sehr große, reife, aromatische Tomaten
6-8 Champignons
1 kleine Zucchini
1 Zwiebel
1 Paprika (rot oder gelb)
200 g Ziegenfrischkäse (alternativ: 100g Ricotta, 100 g Fetakäse)
1 EL Thymian
1 EL Rosmarin
10-12 Basilikumblätter
2 EL Pinienkerne
1 EL dunkler Balsamicoessig
1 TL Honig
Salz
Pfeffer
Olivenöl

Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
Die Tomaten waschen und den Deckel mit dem Strunk abschneiden. Die Tomaten vorsichtig mit einem Löffel aushöhlen. Das feste Fruchtfleisch hacken und für die Füllung beiseitestellen. Die ausgehöhlten Tomaten in eine Auflaufform setzen. Die Paprika und die Zucchini waschen und in kleine Würfel schneiden. Die Champignons ebenfalls säubern und klein würfeln. Die Zwiebel schälen und feinhacken. In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen. Die Zwiebel darin glasig dünsten, dann die Gemüsewürfel dazugeben. Alles ca. 10 Minuten bei geringer Hitze braten, bis es weich ist und etwas Farbe angenommen hat. In der Zwischenzeit den Rosmarin und den Basilikum feinhacken. Die Pinienkerne in einer anderen Pfanne ohne Fett goldbraun rösten.
Kurz vor Ende der Garzeit die Tomatenwürfel zum Gemüse geben. Die Kräuter unterrühren und alles gut salzen und pfeffern. Den Ziegenfrischkäse sowie den Balsamicoessig und den Honig in die Pfanne geben und gut unterrühren. Zuletzt die Pinienkerne zu der Füllung geben. Ggf. nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken. Es darf gut würzig sein. Die Füllung auf die Tomaten verteilen und die Deckel aufsetzen. Im vorgeheizten Backofen ca. 20-30 Minuten backen bis die Tomaten weich und runzelig sind. Die Backzeit hängt etwas von der Größe der Tomaten ab.
Dazu machen sich frisches Baguette zum Auftunken der Flüssigkeit und ein grüner Salat hervorragend.

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