Süßkartoffelbrot – Eine Tasse Tee und etwas Melancholie.

Kommt, wir setzen uns in die herrliche Frühlingssonne und trinken zusammen eine Tasse Tee. Oder Kaffee. Oder Kakao. Na gut, Sekt geht auch. Ich sitze im Übrigen gerade tatsächlich auf unserem Balkon, eingemummelt in eine Decke und trinke eine Tasse goldene Milch. Das muss ausgenutzt werden. Dass das Wetter uns nochmal schnell einen Streich spielt. Und meint, die sibirische Peitsche auspacken zu müssen. Bei winterlichen Temperaturen mag ich die goldene Milch am liebsten.

Warm aufgeschäumte (Hafer-)Milch mit frisch geriebener Kurkumawurzel und Ingwer zu gleichen Teilen, dazu eine Prise Zimt, Muskatnuss, Pfeffer und Kardamom und einen ordentlichen Teelöffel Honig. Sehr wohltuend und lecker. Aber eben im Winter. Allenfalls noch, so wie jetzt, in der Übergangszeit. Von Mai bis September ist mir dann eher nicht nach wärmenden Gewürzen. Zumindest meist nicht. Wie auch immer. Der Grund, warum ich gerade mit meiner Milch dasitze, mein Näschen in die Sonne strecke und Lust habe, euch ein paar Zeilen zu tippen, ist: ich habe Zeit. Denn ich habe Urlaub.

Denn eigentlich würden der Herzensmensch und ich just in diesem Moment im Auto sitzen. Dort würden wir schon seit Stunden sitzen. Denn wir wären auf dem unglaublich langen Weg von Stuttgart ganz hoch in den Norden. Quasi die Ecke St. Peter-Ording. Also wirklich im Norden. Dort würden wir für ein paar Tage im Häuschen der Mutter meiner Freundin verbringen. Selbstverständlich mit meiner lieben Freundin und ihrem lieben Freund. Wir würden sehr entspannte Tage verbringen. Morgens gemütlich frühstücken. Ich hätte die Zutaten für diese Pancakes im Schlepptau. Eh klar.

Wir würden lange Spaziergänge machen. Am Meer. Mit Wind im Gesicht. Wir würden in Strangkörben in der Sonne sitzen. Uns vielleicht mittags schon ein Sektchen gönnen (das gilt nur für meine Freundin und mich. Ich befürchte die Männer werden nicht im Ansatz so verhalten mit dem Alkoholgenuss umgehen). Wir würden bummeln und schlendern und wandern. Und vielleicht das erste Eis des Jahres essen. Wir würden abends schön zusammen kochen. Jeden Abend zuviel Wein trinken. Und Spiele spielen. Und zu spät ins Bett gehen. Und wir würden quatschen. Stundenlang. Das können wir gut.

Vielleicht würden wir auch das Süßkartoffelbrot backen. Und morgens zum Frühstück im Toaster leicht antoasten und warm mit Mandelmus essen. Mit Cappuchino. Und Milchschaum. Ja, das würden wir alles tun. Beziehungsweise wir werden es tun. Das ist natürlich alles aufgeschoben. Bis die Welt sich wieder normal dreht. Dann düsen wir in den Norden, aber wie der Blitz. Meinen Urlaub durfte ich trotzdem nicht stornieren. Darf dieser Tage niemand mehr in der Firma. Ist ok, versteh ich. Ich musste mich dann heute kurz entscheiden, wie es finde, diese Woche quasi „Zwangsurlaub“ zu haben.

Nach längerem Hin und Her, hab ich einfach in mich reingehört. Da war eine Stimme, die mir ganz leise zugeflüstert hat: „Hannah, jetzt hast du einfach mal Zeit. Vielleicht hast du sogar Langeweile. Genieß es. Mach vieles von dem, dass du im Norden jetzt machen würdest.“ Ich dann so: „Ernsthaft? Ich soll mittags schon Sekt trinken? Alleine? Lass mich kurz überlegen… Na gut. Vielleicht mach ich das mal.“ Nein, im Ernst. Ich beschwere mich nicht und gebe dieser Stimme in mir gerne die Gelegenheit, sich am Ende der Woche ordentlich zu feiern, weil ich vielleicht ab und zu auf sie gehört habe. Immerhin habe ich mir heute Morgen keinen Wecker gestellt. Das mit dem länger schlafen muss ich trotzdem noch üben.

Ein neues Hobby hab ich mir trotzdem schon gesucht: die Brotbackkunst mit Sauerteig. Da verliere ich mich gerade drin. Und lese, was das Zeug hält. Heute Abend wandert dann schon mein erstes Dinkelbrot mit selbst gezüchtetem Sauerteig in den Ofen. Ich hab Schiss, aber bin auch total aufgeregt, ob das was wird. Ansonsten werde ich euch beglücken und neue Rezepte entwickeln, vielleicht auch nochmal einen Spontan-Blogpost einlegen. Vielleicht ein kleines Osterspezial. Das würde mich aber vermutlich zum nächsten Heulausbruch führen. Weil: Ostern dieses Jahr anders als sonst? Aktuell noch unvorstellbar. Ich arbeite also erst noch an meiner Fassung, bevor ich über Ostern schreibe. Wobei ich auch jetzt schon mal sagen kann: dieses Süßkartoffelbrot eignet sich hervorragend für das Osterfrühstück.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für eine Kastenform (20 cm lang)

2 kleine Süßkartoffeln
150 g Mehl (ich: Vollkorndinkelmehl)
11/2 TL Backpulver
1 Ei
80 ml Ahornsirup (oder mehr, wer es süßer haben möchte)
40 ml Kokosöl
2 EL (pflanzliche) Milch
½ TL Zimt
½ Vanilleschote
1 Prise Salz
80 g Walnüsse (bereits geknackt)

Die Süßkartoffel schälen und in grobe Würfel schneiden. Entweder dämpfen oder in etwas kochendem Wasser dünsten, bis die Würfel sehr weich sind. Wurden sie gedünstet, in ein Sieb geben und etwas abtropfen lassen.
Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
Die Süßkartoffeln (es sollten so ca. 300 g sein) in eine Schüssel geben und mit der Gabel zerdrücken. Beiseitestellen.
In einer weiteren großen Schüssel zunächst das Mehl und das Backpulver vermischen. Dann Öl, Ahornsirup, Milch und Gewürze dazugeben. Das Ei etwas verquirlen und zusammen mit dem Süßkartoffelmus zu den restlichen Zutaten geben. Alles gut miteinander verrühren, bis ein glatter Teig entstanden ist. Zum Schluss die Walnüsse grob hacken und rasch unter den Teig ziehen.
Eine Kastenform mit Backpapier auskleiden und den Teig hineingeben.
Im vorgeheizten Ofen ca. 45 Minuten backen. Stäbchenprobe machen. Aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen. Dann am besten noch lauwarm genießen.

Tipp: Das Brot geht auch mit Kürbis sehr gut.

Tipptipp: Übrig gebliebene Scheiben lassen sich gut einfrieren und bei Bedarf im Toaster wieder aufbacken.

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4 Kommentare

  1. (Fast) alles im Haus, gleich probiert – seeeeehr lecker!
    (auch mit normalem Zucker mangels Ahornsirup und Rapsöl statt Kokosöl)
    Ricotta und Marmelade drauf, ein Traum!

    LG und bleib gesund,
    Anja

    1. Liebe Anja,
      wie schön, dass du es gleich ausprobiert hast!
      Und Ricotta und Marmelade klingt traumhaft, wird ausprobiert!

      Bleib du auch gesund und viele Grüße
      Hannah

  2. Ich habe das Brot gestern ausprobiert. Es ist auch nach 60 Minuten im Ofen leider gar nicht durch geworden, sondern war immer noch sehr matschig. Schmecken tut es trotzdem super. Aber hast du vielleicht einen Tipp? 🙂

    Liebe Grüße

    Lena

    1. Liebe Lena,
      ach wie schade… Mmh, es ist immer schwer zu sagen, woran das liegen könnte und ich will nicht immer alles gleich
      auf die verschiedenen Backöfen schieben 😉 Vielleicht war in den Süßkartoffeln noch zu viel Flüssigkeit drin?!
      Falls du es nochmal ausprobieren magst, würde ich schauen, dass du die Süßkartoffeln bis zu einer Stunde in einem Sieb abtropfen lässt.

      Freut mich trotzdem, dass es wenigstens geschmacklich toll war 🙂

      Alles Liebe,
      Hannah

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