Quiche mit Lauch, Pilzen und Roquefort – Melancholisches Zwischendurch.

Etwas melancholisch war ich schon immer. Ich weiß noch, wie ich als Jugendliche stundenlang auf dem Bett liegen konnte, die Stöpsel in den Ohren und mit eher etwas schwerer Musik der letzten Party oder dem letzten Urlaub nachhängte. Das Ganze wurde nur durch regelmäßige Raucherpausen (ähm, ja…) auf dem Balkon unterbrochen. Meine melancholischen Schübe haben mit der Zeit etwas nachgelassen. Sowohl in der Heftigkeit als auch in der Häufigkeit. Seit einiger Zeit ertappe ich aber den einen oder anderen kleinen Schub dabei, wie er in meinen Kopf kriechen mag.

Insbesondere nach schönen Wochenenden. Mit vielen Glücksmomenten und Lieblingsmenschen. Und davon gibt’s gerade sehr viele. In den letzten Wochen haben wir besonders intensive Freudenzeiten erlebt. Meist in Form von stunden- und tagelangen Wanderungen, Gesprächen, Kochabenden und Weintrinkereien mit lieben Freunden. Auch die eine oder andere durchtanzte (Hochzeits-)Nacht war dabei. Meist ging es uns allen am nächsten Morgen eher bescheiden und wir hingen den Sonntag über etwas in den Seilen. Was meine melancholische Stimmung nicht unbedingt minderte.

Aber das nahm man billigend in Kauf. Zu schön waren die gemeinsamen Momente. Zu schnell waren sie aber auch vorbei. Viel zu schnell. Und zwar alle. Kaum begann der gemeinsame Abend oder das gemeinsame Wochenende, war alles schon wieder vorbei. Und dass, obwohl man jeden Moment voll auskostete. So entwickle ich allmählich Verständnis für die Melancholie. Wie soll man das denn auch verkraften? Dass alles immer so schnell vorbei geht. Die wertvollen Momente, die schönen Stunden. Die Jahreszeiten, Wochen und Monate.

Und ist das jetzt nur meinem Alter geschuldet? So ein Anfang-30-Ding? Bei dem man sich fragt, wie oft man solche Momente noch erleben wird? Genau solche? In dem man auf der einen Seite schon so erwachsen, gesattelt und doch so frei ist? Auf der anderen Seite schau ich meine Eltern an und weiß, ich brauch gar keine Angst zu haben. Davor, dass das alles aufhört. Die gemeinsamen Wochenenden finden auch später noch statt. Inklusive Wanderungen, Kochereien, Weintrinkereien und stundenlanger Gespräche. Mit den gleichen Freunden, mit denen man das auch Anfang 30 so gemacht hat. Oder auch mit Freunden, die über die Jahre noch hinzugekommen sind.

Glücksmomente hören nicht auf. Sie verlagern sich vielleicht etwas. Je nach Lebenslage. Aber sie werden immer da sein. Solange man gemeinsame Wege geht. Und solange man den Drang und die Wichtigkeit verspürt, mit seinen Lieblingsmenschen Zeit zu verbringen. Auch wenn es nur ein oder zweimal im Jahr ein Wochenende ist. Weil man mehr aufgrund Distanzen und Terminkalender nicht hinbekommt. Dann fallen genau diese Wochenenden besonders ins Gewicht und bleiben einem umso intensiver in Erinnerung.

Was soll ich dir also sagen, liebe Melancholie? Ich brauch dich eigentlich nicht. Ein bisschen darfst du bleiben. Weil ich das Gefühl manchmal ja auch mag, dass du um mich legst. Diese federleichte Schwermut, mit der ich montagmorgens in der S-Bahn den Erinnerungen ans Wochenende nachhänge. Aber spätestens am Montagabend darfst du dann bitte den Rückzug antreten. Damit ich die vielen Glücksmomente in meine kleine Schatztruhe im Kopf ablegen kann. Immer darauf vertrauend, dass sich dort noch ganz, ganz viele Momente ansammeln werden.

Die Quiche, die ich heute im Schlepptau habe, ruft höchstens ein melancholisches Gefühl hervor, wenn der letzte Krümel verputzt ist. In dem Fall kann man sie aber einfach gleich nochmal backen. Im Übrigen hat der Herzensmensch hier überhaupt nicht gemurrt, als ich erwähnt habe, dass Roquefort im Spiel ist. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, dachte ich dann. Ich habe die Quiche nämlich sonst immer mit Bergkäse gemacht, finde Roquefort hier aber das Tüpfelchen auf dem i.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für eine 24cm Tarteform (idealerweise mit Hebeboden)

Für den Mürbteig
200 g Mehl
1 TL Salz
100 g kalte Butter
4 EL eiskaltes Wasser

Für die Füllung
1 kleine Stange Lauch (nur das Weiße davon)
150 g Pilze (ich: Champignons und Kräuterseitlinge)
2 Eier
75 ml Sahne
225 ml Milch (ich: Hafermilch)
40 g Roquefort (alternativ 70g würzige Bergkäse)
2 EL glatte Petersilie
etw. Zitronenabrieb
Olivenöl
Salz
Pfeffer
Muskatnuss

1-2 Kräuterseitlinge oder Steinpilze für das Topping (optional)

Für den Mürbteig das Mehl mit dem Salz mischen. Die Butter in kleinen Stücken dazugeben und mit den Händen zu groben Bröseln zerreiben. Esslöffelweise das Wasser zugeben und alles gut miteinander verkneten. Den Teig zu einen flachen Scheibe formen und in Frischhaltefolie gewickelt ca. 30 Minuten in den Kühlschrank legen.
Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ca. 5mm dick auswellen und in die gefettete Tarteform legen. Den Rand formen und den restlichen Teig entfernen. Mit einer Gabel mehrmals den Teig einstechen. Dann Backpapier auf den Teig legen, mit Hülsenfrüchten beschweren und ca. 10 Minuten blindbacken.
In der Zwischenzeit die Füllung vorbereiten. Den Lauch waschen, halbieren und in dünne Streifen schneiden. Die Pilze feucht abreiben und fein würfeln. In einer großen Pfanne einen guten Schuss Olivenöl erhitzen und den Lauchl darin ca. 5 Minuten bei mittlerer Hitze dünsten. Die Pilze dazugeben, die Hitze etwas erhöhen und alles ein paar Minuten anbraten. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Die Petersilie fein hacken und mit dem Zitronenabrieb zu der Pilz-Lauch-Mischung geben. Die Eier mit der Sahne und der Milch gut verquirlen. Mit einer ordentlichen Portion Muskatnuss (ruhig ein halber TL) würzen, salzen und pfeffern. Das Gemüse auf den Mürbteigboden geben, die Ei-Sahnemischung darüber gießen und den Roquefort in kleinen Stücken darüber verteilen. Die Pilze für das Topping in dünne Streifen schneiden und auf die Quiche legen. Ca. 30 Minuten backen, bis die Füllung gestockt ist. Heiß, lauwarm oder kalt servieren.

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