Auberginen-Paprikaragout mit Rosmarin-Polentaschnitten – Klopfgeräusche.

Heute Nacht wurde ich wach. Von Klopfgeräuschen. Ein leises, aber vehementes Klopfen. Ich wusste sofort, wer das war. Ich dachte nur nicht, dass es heute Nacht schon passieren würde. Das Klopfen ließ nicht nach. Bis ich irgendwann flüsterte: Heh, ich hab dich gehört. Ist ok.“ Dann verschwand das Klopfen. Ich schlief wieder ein. War aber tatsächlich etwas aufgeregt. Heute Morgen zog ich mir eine Strickjacke an. Und eine Jeans. Die fühlte sich eng an. Unfrei. Für den Moment dachte ich daran, doch wieder eine schwingende Culotte anzuziehen, aber es fröstelte mich dann doch ganz schön. Im Bioladen angekommen jauchzte ich vor Glück, als ich die weltbesten italienischen Feigen, die sie jedes Jahr für ungefähr drei Wochen anbieten, entdeckte.

Die sind so unglaublich gut. Ihr Inneres glänzt wie dunkelroter Honig. Der Herzensmensch und ich vierteln eine Feige beim Frühstück und jeder bekommt zwei Viertel. Jedes Jahr denke ich schon beim Kauf an der Kasse daran, wie ich die Feige nachher auf mein Brötchen mit Ziegenkäse drapiere und Honig darüber laufen lasse. Und jedes Jahr wird daraus nichts. Weil wir sie direkt so in den Mund schieben. Pur. Feigen-Geschmacksexplosion. Den Ziegenkäse schiebe ich mir dann aber doch noch ganz schnell direkt hinterher in den Mund. Denn wir wissen alle: Feigen + Ziegenkäse = Liebe.

Auf dem Markt war der Herzensmensch heute Morgen dann etwas wehmütig. Als unser Obstdealer ihm vorsichtig zu verstehen gab, dass es vermutlich das letzte Mal die tollen Nektarinen und Pfirsiche gibt, war der Ehrgeiz beim Herzensmenschen natürlich geweckt. Nochmal so viele mitnehmen, wie geht. Ich musste ihn ziemlich bremsen. Beim Gemüsedealer standen wir zwischen Auberginen und deutschen Pfifferlingen. „Pasta alla Norma“. Sagte der Herzensmensch. „Risotto mit Brombeeren und Pfifferlingen.“ Sagte ich. Ok, wir nahmen beides mit. Ich muss heute ungebdingt noch den Blopgpost mit den Auberginen schreiben. Dachte ich auf dem Heimweg.

Die wunderbar vielseitige Aubergine habe ich hier bisher nur einmal in diesem Salat vorgestellt. Dabei liebe ich sie so sehr. Und finde es so schade, wenn ihre Zeit schon wieder vorbei ist. In den anderen Monaten außer den Sommermonaten, gibt’s bei uns keine Auberginen. Da schmecken sie höchstens nach Wasser. Und kommen aus irgendwelchen Plastikdachhallen in Spanien, haben weder Sonne noch Erde gesehen. Nee, das hat sie nicht verdient. Also nehmen wir in den wenigen Monaten – vielleicht kann man auch von Wochen sprechen -, in denen es sie auf dem Markt aus deutscher oder italienischer Freilandherkunft oder – noch besser – aus Papas Garten gibt, alles mit, was geht.

Geschmort, gebraten, geröstet. Als Hauptdarstellerin. In der Nebenrolle. Kalt oder warm. Wie eine enge Freundin, die ein paar Wochen zu Besuch ist, und mit der man wunderbar tolle und abwechslungsreiche Dinge erlebt. Oft sind die Auberginengerichte italienisch angehaucht. Oder südfranzösisch. Diva, die sie dann doch eine kleine ist, lässt sie ihre südländischen Wurzeln zu gerne dominieren. Aber durch meinen Küchengott Herrn Ottolenghi habe ich mich bereits vor ein paar Sommern getraut, mit der Aubergine im Arm ins kalte Wasser zu springen. Und plötzlich kommen da Gorgonzola, Granatapfel oder Kapern ins Spiel.

We immer denke ich dann zuerst an den Herzensmenschen und mir wird etwas mulmig. Er ist bekanntlich nicht ein ganz so großer Ottolenghi-Fanatiker wie ich es bin. Und äußert das auch nicht unbedingt selten. Weshalb ich mittlerweile diverse Taktiken entwickelt habe, ihm erst unmittelbar nachdem die erste Gabel im Mund verschwunden ist, zu erklären, von wem die Inspiration für das Gericht stammt. Bei unserer lieben Freundin, der Aubergine, hatten Yotam und ich dann doch leichtes Spiel.

Der Herzensmensch liebte sämtlichte Aromen, Kräuter und Gewürze, die ich mit der Aubergine auf den Tisch stellte. Und doch. Heute bleiben wir ziemlich auf dem Boden. Für das Rezept braucht es eigentlich nur aromatischen Rosmarin und gutes Olivenöl. Den Rest erledigen die Röstaromen der Aubergine und der Paprika, wenn wir sie schön im Ofen schmoren lassen. Und Polentaschnitten sind sowieso immer eine gute Idee. Eh klar. Hier im Übrigen mit Pilzen und Salbei. Und falls ihr noch nicht darauf gekommen seid, wer heute Nacht geklopft hat. Vielleicht verrate ich es ja im nächsten Blogpost.

Habt es fein.
Eure Hannah

 

Auberginen-Paprikaragout mit Rosmarin-Polentaschnitten

5 von 1 Bewertung
Portionen 2 gute Esser

Zutaten
  

Für das Gemüseragout

  • 1 Aubergine
  • 1 Spitzpaprika
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Pinienkerne
  • 2 Zweige Rosmarin
  • Salz
  • Pfeffer

Für die Polenta

  • 100 g Polenta
  • 200 ml Gemüsebrühe
  • 100 ml (Hafer-)Milch
  • 2 EL Butter (vegan: Margarine)
  • 2 EL Parmesankäse (vegan: weglassen oder Hefeflocken verwenden)

Anleitungen
 

Für die Polenta

  • Die Polentamasse ein kann gut am Vortag oder ein paar Stunden vorher vorbereitet werden, da sie gut abkühlen und festwerden muss.
  • Die Polenta nach Packungsanweisung in der Gemüsebrühe und der Hafermilch garen. Sobald sie fertig ist, 1 EL Butter und den geriebenen Parmesankäse sowie 1 EL fein gehackte Rosmarinnadeln unterrühren. Die Masse ca. 1 cm dick auf ein Brett oder in eine Auflaufform streichen und abkühlen lassen.

Für das Gemüseragout

  • Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Die Paprika waschen, halbieren und das Kerngehäuse entfernen. Die Aubergine waschen, halbieren und jede Hälfte mit einem scharfen Messer 2-3mm rautenförmig einritzen.
  • Aubergine mit der Schnittfläche nach oben und Paprika mit der Schnittfläche nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Zusammen ungefähr 30 Minuten rösten, bis die Haut der Paprika schwarze Blasen bildet und die Aubergine innen schön weich ist. Falls nötig, die Paprikaschoten herausnehmen und die Auberginenhäften noch etwas länger garen. Die Paprikaschoten sogleich mit einem feuchten Küchentuch abdecken und etwas abkühlen lassen. Die Auberginen, wenn fertig geschmort, ebenfalls etwas abkühlen lassen.
  • Die Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett goldbraun anrösten.
  • Die Zwiebel fein würfeln und in etwas Olivenöl glasig dünsten.
  • Die Paprika schälen und grob würfeln. Die Das Fruchtfleisch der Aubergine mithilfe eines Löffels aus der Schale herauslöffeln. Ebenfalls grob würfeln.
  • Das Gemüse zu den Zwiebeln in die Pfanne geben, Die Rosmarinzweige am Stück und nochmals einen Schuss Olivenöl dazu geben und 5 Minuten leicht erhitzen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Fertigstellung

  • Die Polenta in Rauten oder Rechtecke schneiden. In einer weiteren Pfanne 1 EL Butter und etwas Olivenöl erhitzen und die Polenta von beiden Seiten goldbraun braten.
  • Die Polentaschnitten direkt auf Tellern anrichten, das Ragout darauf verteilen und mit Pinienkerne betreut servierne.

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5 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch, liebe Hannah!
    Ich warte noch auf das erste Klopfen, es kann auch nicht mehr allzu lange dauern. Solange teile ich zumindest die Auberginenliebe und freue mich schon diese leckere Kombi mit Polenta auszuprobieren. 🙂
    Viele Grüße,
    Anja

    1. Liebe Anja,
      oh nein, ich glaube, ich habe mich in dem Post etwas missverständlich ausgedrückt.
      Zumindest handelt es sich nicht um das, was du denkst 😉
      Dir aber dennoch meine herzlichsten Glückwunsche!
      Und viel Spaß beim Ausprobieren des Rezepts – ich hoffe, es schmeckt dir.
      Viele Grüße
      Hannah

      Ps. Das ominöse Klopfgeräusch löse ich auf jeden Fall noch auf 😉

      1. Hihihi, wie witzig! Spätestens bei der engen Jeans hattest du mich 😀
        Ich bin offensichtlich so getriggert, dass ich es fleißig reininterpretiert habe – und bin umso gespanntert auf die richtige Auflösung (solange es nicht der leidige Zwischenrippennerv ist…)!
        Viele Grüße,
        Anja

  2. 5 stars
    Superlecker – vielen Dank für das leckere Rezept. Werde nächstes Mal die doppelte Portion zubereiten und die Pinienkerne nicht vergessen, die wir jetzt einfach mal so naschen…..
    Liebe Hannah, das ist schon das zweite Rezept, das total lecker is(s)t – das erste, dass ich kochte, war der gebratene Rosenkohl – freue mich auf die nächsten Ideen.
    Alles Gute und liebe Grüße
    Petra

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