Birnen-Mandelküchlein – Trial and Error.

Die Amis. Ihre Mentalität ist in manchen Punkten nicht so mein Fall. Die vorherrschende Oberflächlichkeit gruselt mich genauso wie das ganze Oversize-Gedöns. Alles XXL. Alles Kingsize. Die jüngsten Ereignisse haben natürlich auch nicht unbedingt meine Sympathie gesteigert. Aber sei’s drum. Ich will jetzt gar nicht auf die Menschen dort schimpfen. Und sowieso kann man die Charakteristika eines Volkes sowieso nie pauschalisieren. Ist bei uns Deutschen ja genauso. Nicht jeder hier ist überkorrekt und humorlos. Das hat mir im Übrigen tatsächlich mal jemand (kein Deutscher) in Australien gesagt:“ Ihr Deutschen seid alle überkorrekt und humorlos.“ Danke für nichts.

Und auch wenn ich mir nicht unbedingt alle amerikanischen Gewohnheiten aneignen würde, haben sie doch eine ganz bestimmte Sache, die sie – wie ich finde – viel, viel besser machen als wir Deutschen: ihre positive Fehlerkultur. „Whoever makes the most mistakes wins.“ Heißt das Buch eines amerikanischen Autors. Er beschreibt darin, wie es die Amerikaner fast schon lieben, mit vor Stolz geschwellter Brust von ihren größten Fehlern zu erzählen. Was dann auch schon wieder ins Extreme geht. Wir hingegen leben das andere Extrem.

So oft erlebe ich es im Arbeitsalltag. Die Angst der Menschen, Fehler zu machen. Mich Eingeschlossen. Das Nicht-Eingestehen, wenn Fehler gemacht wurden. Immer werden Fehler bei den Anderen gesucht. Immer wird ein Schuldiger gesucht. Immer wird Fingerpointing betrieben. Es entsteht der Eindruck, wir sollten alle unfehlbar sein. Das geht mir tierisch auf die Nerven. Wer sind wir denn, dass wir uns gegenseitig das Gefühl geben müssen, wer Fehler macht, scheitert?! Und sowieso: wer bestimmt denn überhaupt, was Scheitern ist? Wann ist man denn gescheitert? Und in wessen Augen ist man dann gescheitert? In den eigenen oder in denen unserer Gesellschaft? Oder entsteht das Gefühl des Scheiterns erst dadurch, dass die Anderen einem dieses Gefühl geben?

„Wenn ich nochmal leben dürfte, ich würde mehr Fehler machen.“ Sagte der Dalai Lama. Was für ein schöner Satz. Eine Lady, deren Podcasts ich gerne höre, sagt stattdessen – etwas ordinärer – sie falle andauernd auf die Schnauze. Und steht wieder auf. Und lernt daraus. Und darum geht es doch im Leben. Ums Lernen. Und lernen tun wir am besten, wenn wir die Dinge selbst erfahren. Im Guten wie im Schlechten.

Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Fehler machen dürfen. Dann würden wir uns mehr trauen. Wir würden daran wachsen. Und es würden die tollsten Dinge daraus entstehen. Und selbst wenn etwas nicht so klappt, wie man es sich ursprünglich ausgemalt hat, so wird auch das am Ende einen tieferen Sinn haben. Vielleicht wäre es wichtig für unser eigenes Wachstum. Vielleicht würden wir wieder mehr in Demut leben. Vielleicht würden sich genau dadurch Türen öffnen, von denen wir nicht einmal wussten, dass es sie gibt. Daran glaube ich fest.

Was all das mit diesen Birnenküchlein zu tun hat, weiß ich jetzt auch nicht. Vielleicht, weil der erste Versuch noch nicht 100%ig gesessen hat. Vielleicht, weil ich in meiner Küche durchaus eine positive Fehlerkultur zelebriere. Da gibt es sehr oft Trial and Error. Fragt den Herzensmenschen. Dann gibt es Suppen, die nur nach Weißwein schmecken und Kuchen, die völlig auseinanderfallen. So what! Entweder wir essen es trotzdem oder eben nicht. Die Suppe kürzlich war wirklich ungenießbar. Aber sowas von. Dann gabs eben ein Butterbrot und ein Spiegelei, weil wir beide keine Lust mehr hatten, nochmal in die Küche zu stehen.

Und ein zerfallener Kuchen mag trotzdem superlecker schmecken. Nur die Zusammensetzung der Zutaten war vielleicht nicht richtig. Woraus man wieder lernen kann. Dann mache ich ihn nochmal. Und vielleicht nochmal. Und wenn ich zufrieden bin, teile ich das Rezept vielleicht mit euch. Bei den Birnenküchlein war ich nach dem zweiten Versuch sehr zufrieden. Supersaftig und superbirnig (ihr wisst, was ich meine!) und superschnell gemacht. Ich habe Minigugl-Förmchen verwendet. Man kann aber ebenfalls Muffinförmchen verwenden. Oder auch einfach eine Springform.

Habt es fein.
Eure Hannah

Birnen-Mandelküchlein

Portionen 12 Minigugl (oder Muffins)

Zutaten
  

  • 3 kleine, reife, aber noch feste Birnen
  • 1 TL Vanillezucker
  • 1 TL Zimt
  • 180 g gemahlene Mandeln
  • 80 g Mehl (ich: Reismehl)
  • 140 g Honig (oder Rohrohrzucker)
  • 120 g Kokosöl (oder Butter)
  • 100 g Quark (20%)
  • 1 Vanilleschote
  • 5 Eiweiß
  • 1 Prise Salz

Anleitungen
 

  • Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Kleine Gugl-oder Muffinförmchen fetten und mit Mehl ausstäuben.
  • Die Birnen schälen, vierteln, das Kerngehäuse entfernen und in kleine Stücke schneiden. In einer Schüssel mit Vanillezucker und Zimt vermischen und beiseitestellen.
  • Das Kokosöl (oder die Butter) in einem kleinen Topf bei geringer Hitze zerlassen. Den Honig einrühren. Leicht abkühlen lassen.
  • In einer Schüssel Mandeln, Mehl, eine Prise Salz und das Mark der Vanilleschote vermischen. (Falls Zucker verwendet wird, diesen ebenfalls untermischen).
  • Die Eiweiße für ca. 30 Sekunden schaumig aufschlagen. Unter die Mandelmischung heben. Das Kokosöl und den Quark unterziehen. Zum Schluss die Birnen unterheben.
  • Den Teig in die vorbereiteten Förmchen füllen. Im vorhgeheizten Ofen ca. 30 Minuten backen. Falls die Oberfläche zu braun wird, für die letzten 10 Minuten etwas Alufolie darüber legen. Stäbchenprobe machen. Die Küchlein aus dem Ofen holen und in der Form ca. 10 Minuten ruhen lassen. Danach vorsichtig stürzen und vollständig auskühlen lassen. Mit Puderzucker bestäuben und servieren.

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