Emmer-Risotto mit Ofenkürbis, Ziegenkäse und gebratenen Trauben – Urkornglück.

Als mich neulich eine Email von einer ganz tollen Zeitschrift erreichte, ob ich nicht Lust hätte, mit zwei Rezepten die Novemberausgabe zu begleiten, war ich ziemlich baff, wie man sich vermutlich denken kann. Wäre ich nicht in der S-Bahn gesessen, hätte ich vermutlich lautes Mädchengekreische von mir gegeben. Glück gehabt, liebe Fahrgäste, ihr hättet mich gehasst. So habe ich jeglichen äußeren Gefühlsausbruch gekonnt verdrängt und nach innen verlagert. Innerlich ging es dann so hoch her vor Freude, dass ich fast Bauchkrämpfe bekam. Als ich mich dann wieder einigermaßen gefangen hatte, habe ich die Email nochmals gelesen und den Inhalt kognitiv erfasst. Zwei saisonale Hauptgerichte stand da.

Den Satz hatte ich kaum zu Ende gelesen, dann find es auch schon an zu rattern. Nehme ich die vom Blog? Oder will ich dafür extra neue Rezepte entwickeln? Ich entschied mich für beides. Hauptgericht 1 kommt vom Blog, Hauptgericht 2 wird neu entwickelt. Nachdem ich es sehr gerne mag, für den Blog Rezepte zu entwickeln oder bereits bestehenden Rezepten ein neues Gewand zu verleihen, war es trotzdem nochmals eine besondere Herausforderung, das Rezept nicht in erster Linie für den Blog zu entwickeln, sondern für eine Zeitschrift, die kostenlos in Bioläden und Reformhäusern ausliegt und eine sehr, sehr große Leserreichweite hat. Da die Zeitschrift großen Wert auf saisonale und regionale Küche legt, war der gemeinsame Nenner schon mal gesetzt.

Ich wusste zu dem Zeitpunkt bereits, welches Rezept ich vom Blog einreichen würde, so dass ich in der Zutatenwahl dann bereits etwas eingeschränkt war. Das Rezept vom Blog ist im Übrigen die Grünkohl-Möhren-Quiche vom Februar. Falls es wen interessiert. Sprich, Grünkohl war schon mal raus. Möhren auch. Da wir uns im November noch mitten im Spätherbst befinden und ich dieses Jahr wieder mehr mit Kürbis ausprobieren möchte (wir hatten im letzten Jahr eine ziemliche Kürbisflaute auf unserem Speiseplan aufgrund maximaler Übersättigung aus dem Vorjahr), fiel die Wahl auf Kürbis. Kürbisrisotto? Liebe ich. Ist aber irgendwie nichts Neues. Risotto muss bei mir aber nicht immer traditionell sein. Ich ersetze den weißen Risottoreis gerne durch nährstoffreichere Alternativen. Hirse und Quinoa sind da ganz vorne mit dabei. Buchweizen habe ich auch schon versucht – das war dann aber auch der erste und letzte Versuch.

Aktuell bin ich ein riesengroßer Emmerfan. Egal ob in Mehlform, als Frühstücksflocken oder als ganzes Korn. Ich mag den nussigen und getreidigen Geschmack. In Kombination mit Kürbis konnte ich mir das richtig gut vorstellen. Trotzdem hat mir noch etwas gefehlt. Ich habe letztens irgendwo eine Vorspeise gesehen, bei der Kürbis und Trauben die Hauptkomponenten waren. Na also. Die Vorstellung an Trauben mit etwas Honig in der Pfanne gebraten fand ich schon ziemlich gut. Dazu noch etwas Ziegenfrischkäse und frischen Thymian. Zumindest in meinem Kopf hat sich das ziemlich rund angehört. Also hab ich es sonntags einfach ausprobiert. Vom Herzensmensch kam zunächst nur ein unverständliches Gemurmel, von dem ich nur Urkorn und Darmbürste und Bauchkrämpfe verstand, aber das war mir wurscht. Er stellt sich ja immer etwas an, wenn ich mit verschiedenen Getreidesorten ums Eck komme.

Trotzdem muss er als Testesser herhalten und das macht er ja auch brav. Kurzum: Ich fands genial, er war nicht ganz so übertrieben euphorisch, fand es dennoch sehr lecker und vor allem zeitschrift- bzw. blogtauglich. Test bestanden. Das Ende vom Lied ist im Übrigen, dass sich das Layout nochmals geändert hatte, ich doch nur ein Rezept einreichen musste. Und da prinzipiell außer den Fotos noch nichts im Kasten und ich vor der Hochzeit aktuell quasi täglich in ein Zeitloch falle und mein Tag wundersamerweise nur noch 8 Stunden hat, bin ich an der Stelle den einfachen Weg gegangen… und habe einfach das Rezept vom Blog eingereicht. Pragmatismus ist momentan dann doch ziemlich hilfreich. Trotzdem will ich euch das Rezept nicht vorenthalten, da es wirklich was kann. Im Übrigen schmeckt es auch mit „richtigem“ Risottoreis sehr lecker – für alle Emmer-Skeptiker.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für zwei gute Esser
½ kleiner Hokkaidokürbis
100 g Emmer (ungekocht)
1 Zwiebel
1 guter Schluck Weißwein (optional)
400 ml Gemüsebrühe
Olivenöl
200 g blaue Weintrauben
1 EL Honig
2 EL Butter
2 Zweige Thymian
1 Handvoll geriebenen Parmesan
2 EL Ziegenfrischkäse (optional)
Salz
Pfeffer

Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Kürbis waschen, das Kerngehäuse entfernen und das Fruchtfleisch in ca. 1,5 cm dicke Spalten schneiden. Die Kürbisspalten auf einem mit Backpapier ausgelegtes Backblech verteilen, mit etwas Olivenöl beträufeln, salzen und ca. 15 Minuten im Ofen rösten. Aus dem Ofen holen und abkühlen lassen.
Die Gemüsebrühe in einem kleinen Topf auf niedriger Flamme erhitzen und warmhalten. In der Zwischenzeit die Zwiebel schälen und fein hacken. Etwas Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, die Zwiebelwürfel darin glasig dünsten. Den Emmer dazugeben und kurz mitbraten. Mit etwas Weißwein ablöschen. Sobald der Weißwein verkocht ist, einen Teil der Gemüsebrühe dazugeben und unter gelegentlichem Rühren köcheln lassen, bis der Emmer die Gemüsebrühe aufgenommen hat. So verfahren, bis der Emmer gar ist. Das dauert ca. 50 Minuten. Kurz vor Ende der Garzeit die Trauben waschen und halbieren. 1 Esslöffel Butter in einer Pfanne erhitzen. Die Trauben und ein Thymianzweig hinzugeben und ca. 8-10 Minuten braten. Den Honig dazugeben und weitere 2-3 Minuten braten. Die Trauben sollten dann schön weich und glasig sein. Beiseite stellen.
Ist der Emmer gar, vom übrigen Thymianzweig die Blättchen abzupfen und gemeinsam mit 1 Esslöffel Butter und dem Parmesan unter das Risotto rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dann vorsichtig die Hälfte der Kürbiswürfel und den Ziegenfrischkäse unterrühren. Das Risotto auf warme Teller verteilen, die restlichen Kürbiswürfel und die Trauben darauf anrichten und servieren.

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