Quiche mit Wirsing und Räuchertofu – Das unbeschriebene Blatt.

2019. Herzlich Willkommen. Wie ein unbeschriebenes Blatt liegst du da vor uns. 365 leere Seiten. Wir dürfen also wieder kreativ werden. Seite um Seite füllen, so wie es uns gefällt. Aber machen wir das denn auch, so wie es uns gefällt? Oder sind wir getrieben von Vorstellungen und Erwartungshaltungen, die andere von oder an uns haben? Oder sind wir gar getrieben von eigenen Erwartungshaltungen, die wir durch den Einfluss von anderen an uns haben? Ich habe noch nie so oft die Vorsätze Zeit und Achtsamkeit für ein neues Jahr gehört, wie bei diesem Jahreswechsel.

Zeit für sich und seine Lieben. Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt (die persönliche als auch die erdische). Zweifelsohne zwei sehr wertvolle Vorsätze. Und ich will mich da gar nicht rausnehmen. Auch ich habe diese Vorsätze. Ich stelle mir dabei nur zwei Fragen: 1. Haben wir wirklich so wenig Zeit und sind wir wirklich so unachtsam gegenüber allem? Was ist hierfür der Maßstab? Und 2. sind das wirklich unsere Vorsätze und tun wir alles daran, sie umzusetzen oder ist es nur das Hinterherlaufen eines Trends?

Ich meine, wenn ich meiner Oma erzählen würde, dass mein Vorsatz ist, mehr Zeit und weniger Stress zu haben und achtsamer mit mir umzugehen, sie würde mir wohl den Vogel zeigen. Nein, das macht Omi nicht. Sie würde nicken und mir sagen, dass das richtig sei. Und dann würde sie sich rumdrehen und denken, die Mädels von heute haben sie nicht mehr alle und würde mir dann doch insgeheim den Vogel zeigen. Hat sie Recht? Ich komme immer wieder an den Punkt, an dem ich mich selbst anzweifle. Wie „gestresst“ bin ich denn nun wirklich? Und was ist hausgemacht und wo komme ich wirklich an meine Grenzen?

Und wenn ich sage, ich will achtsamer mit mir umgehen, lebe ich das dann auch? Wenn ich mir meine Vorsätze für das Jahr 2018 so anschaue, ist in der Umsetzung noch ziemlich viel Luft nach oben. Ich wollte entspannter werden. Da sag ich jetzt mal nix dazu. Bzw. könnte ich auch meinen Zwischenrippennerv fragen, der mich nach über zwei Monaten immer noch spüren lässt, dass er da ist. Er hält mir quasi den Spiegel vor. Danke dafür! Nicht. Wie auch immer, das ist definitiv etwas, was ich aus dem letzten Jahr mitnehme. Unsere ganzen guten Vorsätze bringen nichts, wenn wir sie nicht leben. Wenn wir uns vornehmen, mehr Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, dies aber nicht tun, weil wir andere Prioritäten setzen, werden wir den Vorsatz nicht umsetzen.

Wenn wir uns vornehmen, achtsamer mit unserer Umwelt zu sein, in unserer Lebensweise was Konsum, Müll und eine fleischlastige Ernährung angeht aber nichts ändern, werden wir den Vorsatz nicht umsetzen. Wenn wir uns vornehmen, achtsamer mit uns selbst zu sein, unsere Erwartungshaltung an gewisse Dinge aber nicht überdenken, werden wir den Vorsatz nicht umsetzen. Klingt eigentlich einfach. Ist es aber nicht. Davon kann auch ich ein Lied singen. Und deshalb ist mein wichtigster Vorsatz für das neue Jahr, meine Vorsätze wahrzumachen. Jede der noch unbeschriebenen Seiten zu nutzen um mein Bestes zu geben. Und dabei werde ich ziemlich oft scheitern. Aber das macht nichts. Ich habe jeden Tag die Chance, es besser zu machen als am Vortag.

Meine Mama sagt immer, man geht immer zwei Schritte vorwärts und einen wieder zurück. Wenn ich das für mich in diesem Jahr umsetzen kann, ist alles gut. Mehr möchte ich gar nicht und mehr wäre auch nicht realistisch. So. Genug reflektiert. Um mal wieder zum Wesentlichen zu kommen, möchte ich euch noch ganz schnell mitteilen, wie unglaublich lecker diese Quiche ist, die ich euch heute mitgebracht habe. Die Kombination aus Wirsing und Räuchertofu schmeckt vorzüglich. Skeptiker und Nicht-Veggies können anstelle des Räuchertofu auch Speck oder Schinkenwürfel verwenden. Und wer keinen Wirsing parat hat, die Quiche schmeckt auch prima mit Rosenkohl oder Spitzkohl. Für mich ist Quiche immer Nervenfutter. Da hab ich nen Deal mit meinem Zwischenrippennerv. Gibt es Quiche, ist er still. So einfach geht’s manchmal.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für eine 24cm Tarteform (idealerweise mit Hebeboden)

Für den Mürbteig
200 g Mehl (ich: halb Dinkel 1050, halb Emmermehl)
1 TL Salz
½ TL Oreganoblättchen (getrocknet)
100 g kalte Butter
4 EL eiskaltes Wasser

Für die Füllung
1 kleine Zwiebel
150 g Wirsing
Eine Handvoll Champignons
100 g Räuchertofu (alternativ: Speck oder Schinkenwürfel)
2 Eier
75 ml Sahne
225 ml pflanzliche Milch (ich: Hafermilch)
70 g Gruyère (oder anderen würzigen Bergkäse)
Eine Handvoll Walnusskerne
Olivenöl
Salz
Pfeffer
Muskatnuss

Für den Mürbteig das Mehl mit dem Salz und den Oreganoblättchen mischen. Die Butter in kleinen Stücken dazugeben und mit den Händen zu groben Bröseln zerreiben. Esslöffelweise das Wasser zugeben und alles gut miteinander verkneten. Den Teig zu einen flachen Scheibe formen und in Frischhaltefolie gewickelt ca. 30 Minuten in den Kühlschrank legen.
Den Ofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ca. 5mm dick auswellen und in die gefettete Tarteform legen. Den Rand formen und den restlichen Teig entfernen. Mit einer Gabel mehrmals den Teig einstechen. Dann Backpapier auf den Teig legen, mit Hülsenfrüchten beschweren und ca. 15 Minuten blindbacken. Das Backpapier entfernen und nochmals 10 Minuten backen.
In der Zwischenzeit die Füllung vorbereiten. Die Zwiebel schälen und in dünne Streifen schneiden. Vom Wirsing den Strunk entfernen und die Blätter in ca. 1cm dicke Streifen schneiden. Die Pilze feucht abreiben und fein würfeln. Den Tofu ebenfalls in kleine Würfel schneiden. Die Walnüsse grob hacken. In einer großen Pfanne einen guten Schuss Olivenöl erhitzen und die Zwiebel darin ca. 5 Minuten bei mittlerer Hitze dünsten. Champignons und Tofu dazugeben, die Hitze etwas erhöhen und alles ein paar Minuten anbraten, bis der Tofu etwas gebräunt ist. Den Wirsing dazugeben und nochmals 10 Minuten mitdünsten. Dabei immer wieder umrühren. Zum Schuss die Walnüsse unterheben. Alles ordentlich salzen und pfeffern. Die Eier mit der Sahne und der Milch gut verquirlen. Mit einer ordentlichen Portion Muskatnuss (ruhig ein halber TL) würzen, salzen und pfeffern. Den Käse reiben und untermischen. Das Gemüse in die Ei-Sahnemischung geben und alles auf dem Mürbteigboden verteilen. Ca. 30 Minuten backen, bis die Füllung gestockt ist. Heiß, lauwarm oder kalt servieren.

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