Zwetschgen-Streuselkuchen – Hallo Herbst! und mein Lieblingskuchen.

Hallo Herbst! Endlich bist du da! Und auch wenn der liebe Sommer das Wort „endlich“ gerne aus dem vorherigen Satz streichen würde, so würde ich es am liebsten noch unterstreichen. Und fett schreiben. Und bunt ausmalen. Der Sommer war grandios. Ein Sommer, wie wir ihn schon sehr lange nicht mehr hatten. Aber er war auch lange. Endless summer. Ich kann an beiden Händen abzählen, wir oft ich geschlossene Schuhe angezogen oder abends lieber noch ein Jäckchen mitgenommen habe. Unsere Grillbilanz liegt im deutlich höheren zweistelligen Bereich. Ich kann aber langsam keine gefüllten Paprika, keine marinierten Tofuspieße und keine gegrillten Maiskolben mehr sehen. Sorry. Dieser Sommer war toll. Keine Frage. Jetzt ist aber Schluss. Nachdem er die letzte Woche nochmals alles gegeben hat, nochmals ganz stolz auf seiner angeschwollenen Brust herumgetrommelt hat, war er plötzlich genauso schnell verschwunden. Zack, Vorhang zu, Spielzeit vorbei. Aufatmen. Runterkommen. Entschleunigen. Froh sein, dass ein bisschen Ruhe eintritt. So fühlt sich das gerade an.

Oh Herbst, du tust gut. Du nimmst uns etwas Druck. Und wenn es nur der innerliche Druck ist, gefühlt immer draußen sein zu müssen. Ich will mal wieder drin sein. Will mit einem heißen Kakao auf die Couch sitzen. Bei Kerzenschein Abendessen. Nach dem Yoga mit einer Decke im Shavansana liegen um nicht zu frieren. Ich kann meine Sommergarderobe nicht mehr sehen. Mag Boots anziehen und Strickjacken tragen. Und Soulfood kochen. Was habe ich unsere Currys vermisst. Und unsere Suppen. Mag durch Laub laufen und Kastanien in den Händen halten, die fühlen sich so weich und warm an. In Schaumbädern versinken. Mag beim Joggen wieder kühle Luft einatmen. Zugedeckt schlagen. Noch mehr Tee trinken. Ok, das würde eine endlose Story geben. Ich glaube, sowohl der Herbst als auch jeder, der mitliest, weiß, worauf ich hinauswill. Ich bin ein großer Herbstfan. So wie ich auch ein großer (vielleicht noch ganz miniminimal größerer) Frühlingsfan bin. Ich bin ein Zwischenjahreszeitenfan. Sagt man das so? Keine Ahnung.

Ich mag die Übergänge und das langsame Herantasten an Sommer und Winter. Die beiden wiegen so schwer, Frühling und Herbst fühlen sich dagegen so leicht an. Sommer und Winter mag ich auch, keine Frage. Aber Frühling und Herbst haben etwas Magisches. Ein Neuanfang. Eine Veränderung. Die Dinge drehen sich. Wie auch immer. Das hier ist ein Foodblog. Am Ende geht es um Essen. Süß und salzig. Oft gesund, manchmal nicht so gesund. Wenn ich mein Verhältnis zu den Jahreszeiten und meine damit verbunden Frühlings- und Herbstliebe betrachte, kann ich selbstverständlich einzig und allein auf Food reduzieren. Spargel und Zwetschgen. Zwetschgenstreuselkuchen. Um es maximal einzuschränken. Mein absoluter Lieblingskuchen. Neben Käsekuchen versteht sich. Zwetschgenkuchen mit einer ordentlichen Portion Streuseln und einem Klecks Sahne. Und ich bin glücklich. Basta.

Ich hatte ursprünglich ja den Plan verfolgt, unsere Hochzeitstorte selbst zu backen. Versteht sich ja eigentlich von selbst. Dankenswerterweise haben liebe Menschen um mich herum, die mich manchmal besser einschätzen können als ich mich selbst, mir tunlichst davon abgeraten. Zu Recht. Insgeheim sah ich mich schon am Tag der Trauung nach einer Nacht ohne Schlaf, weil der Kuchen verbrannt ist und ich alles nochmal machen musste, mehlverstaubt im Schlafanzug in der Küche stehen. Wie ein Geist. Und meine Trauzeugin in Ohnmacht kippend, weil wir eigentlich schon längst beim Friseur sitzen sollten. Das wollte ich dann doch niemandem antun. Inklusive mir nicht. Ich würde lieber die Nacht durchschlafen, was an sich wahrscheinlich schon utopisch genug ist. Wie auch immer. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass, wenn ich die Torte doch backen würde, wäre der Begriff Torte ziemlich übertrieben.

Ich würde nämlich schlicht die Lieblingskuchen vom Herzensmenschen und mir backen. Sprich: Käsekuchen, Cheesecake und Zwetschgenstreuselkuchen. Schlicht, aber lecker! Meinetwegen noch in Herzform, damit es der Hochzeitssache etwas näher kommt, aber das wärs dann auch. Vom Zwetschgenkuchen würde ich dann wahrscheinlich schon vorher das halbe Blech essen. Vor Aufregung und weil der Kuchen alles andere als sicher vor mir ist. Da guckt sogar der Käsekuchen dumm aus der Wäsche, so schnell hab ich den Kuchen verspeist. Die Krümel und Streusel eigens mit den Fingern vom Teller gepickt. Hätte, wäre wenn. Ich habe mich dagegen entschieden und räume das Feld für meine zauberhafte, nicht minder begabte, 14-jährige Cousine und überlasse ihr die schlaflose Nacht. Aber sie wird das großartig machen, da bin ich mir sicher. Damit jeder, der auf der Hochzeit sein wird und hier mitliest (und natürlich alle anderen auch), trotzdem in den wunderbaren Geschmack meines Lieblingskuchen kommt, here we go.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für eine rechteckige Springform (20×30 cm)

Für den Mürbteig
300 g Mehl
75 g Rohrohrucker
150 g kalte Butter
2 Eier
1 Prise Salz
1 EL kaltes Wasser
Für die Streusel
150 g Mehl
90 g Rohrohrzucker
1 TL Zimt
90 Butter
Belag
700 g reife Zwetschgen (entsteint)
2-3 EL Zimt und Zucker (ich: Kokosblütenzucker)
Für den Mürbteig alle Zutaten rasch zu einem glatten Teig verkneten, eine Kugel formen, diese flachdrücken und in Frischhaltefolie gewickelt mind. 30 Minuten in den Kühlschrank legen.
Den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Zwetschgen waschen, halbieren und entsteinen. Die Springform mit Backpapier auslegen und den Rand gut fetten. Den Teig aus dem Kühlschrank holen. Auswellen und in die Form legen, dabei einen Rand hochziehen. Den Boden mit etwas Zimt und Zucker bestreuen. Die Zwetschgen dicht an dicht auf dem Boden verteilen. Ebenfalls mit Zimt und Zucker bestreuen. Für die Streusel die Butter auf kleiner Hitze schmelzen. Alle anderen Zutaten in einer Schüssel mischen. Sobald die Butter flüssig ist, 2 Minuten abkühlen lassen, dann zu den trockenen Zutaten geben und alles miteinander verkneten. Die Streusel gleichmäßig auf den Zwetschgen verteilen. Im vorgeheizten Ofen ca. 45 Minuten goldbraun backen. Zwischendurch nachschauen und ggf. abdecken, falls die Streusel zu dunkel werden. Lauwarm oder komplett ausgekühlt mit Schlagsahne servieren.

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