Vegane Mohnwaffeln – Nostalgie in gesunder Form.

Zu meinem 30. habe ich von meinem Bruderherz ein Waffeleisen bekommen. Das hab ich mir gewünscht. Ich hab ihm gesagt, dass es ein ganz einfaches Ding sein kann, ohne viel Schnickschnack, aber ein Kriterium musste ich vorgeben: Herzwaffelform = MUSS. Keine Rechtecke, keine Quadrate, keine Kleeblätter oder was auch immer sich die Waffeleisenindustrie zwischenzeitlich einfallen ließ. Will ich nicht. Mag ich nicht. An der Stelle möchte ich meinem nostalgischen Drang kompromisslos nachgeben können. Die Diskussion mit meinem Bruder vor meinem Geburtstag war daher auch nach wenigen Minuten, in denen er mich von der tollen Funktionsfähigkeit anderer Waffeleisen überzeugen wollte, beendet. Hah! Durchgesetzt! Und jetzt also stolze Besitzerin eines Herzwaffeleisens. Ein Traum!

In Gedanken hüpfe ich seitdem andauernd ca. 15-20 Jahre zurück: Wir kommen von der Schule heim. Seit der Busfahrt in unser Dorf überlegt man schon, was es bei Mama oder Oma zum Mittagessen gibt. Am schlimmsten war für mich Oma immer irgendein Braten. Und dann Spätzle und Kartoffelsalat dazu. Am besten fand ich bei ihr immer die Freitage. Da gabs nämlich meistens süß oder Fisch. Ihr Reisauflauf mit Kompott war mein absolutes Lieblingsessen. Römische Zucchini waren aber auch immer gut. Bei Mama dagegen haben wir inständig gebetet, dass es keine Gemüsenudeln gibt. Die hat Mama immer gemacht, wenn sie wenig Zeit hatte. Im Nachhinein find ich die lecker, als Kind war es ein Alptraum. Sonst gab es eigentlich meistens ganz tolle Sachen. Und ab und zu auch süß und das nicht nur freitags. Als Kind kann man durchaus auch dienstags süß essen! Mittlerweile kann ich mittags gar nicht mehr süß essen, aber ich bin ja schon groß. Mama hat ganz tollen Ofenschlupfer gemacht. Mit Vanillesauce. Oder Dampfnudeln. Auch mit Vanillesauce. Ich hätte sowieso zu allen Süßspeisen Vanillesauce essen können. Das kann ich auch heute noch, das hat nichts mit Kind sein zu tun. Ganz arg lieb hatten wir (zumindest ich) die Mama, wenn es Waffeln gab. Ein ganzer Berg Waffeln vor uns mit Kirschen und Sahne dazu. Herrlich! Ganz dolle Nostalgiegefühle ergreifen mich bei den Gedanken daran.

In der Zwischenzeit habe ich jahrelang keine Waffeln mehr gegessen. Eine Schande ist das doch! Das wird sich von nun an ändern. Ändern wird sich aber auch, dass ich von nun an wohl die Waffeln eher zum Frühstück oder im Winter am Sonntagnachmittag, eingekuschelt auf der Couch, essen werde. Nicht mehr zum Mittagessen. Meine Kollegen im Büro wären wahrscheinlich ziemlich verdutzt, wenn Kollegin Ich-brauch-zum-Mittag-höchstens-nen-kleinen-Salat plötzlich mit dem Waffeleisen in der Küche hantieren würde. Wobei. Wenn dafür für alle ne Waffeln rausspringen würde, würden sie mich wahrscheinlich feiern. Ich kenn sie doch, die Pappenheimer. Nichts gibt’s. Wenn der Herzensmensch und ich mal Kinder haben sollten, dann lasse ich nochmal mit mir wegen dem Mittagessen und dem Süßkram und so reden. Davor aber nicht. Davor gibt es Waffeln zum Frühstück. Und mal ehrlich, da sagt doch auch niemand nein. Vor allem, wenn die Waffeln in gesunder Form daherkommen und dir ihre tollen Zutaten ins Ohr plappern.

Dann gibt’s kein Halt mehr. So oder so ähnlich war das bei mir heute Morgen. Aufgrund eines Zehenbruchs und der damit verbundenen Erkenntnis, dass ich hochgradig gegen Tape (und nun wohl auch Pflaster) allergisch bin und einem damit verbunden, ziemlich ekeligen Ausschlag an meinem linken Fuß, musste ich heute einen Tag zuhause bleiben. Das mag ich eigentlich gar nicht, da ich mich so schwer tue, nichts zu tun und das meist dann auch nur mehr schlecht als recht hinbekomme. Um dem ganzen aber einen positiven Start in den Tag zu verleihen, dachte ich, Mensch, da probierste das Waffeleisen aus und machste Waffeln. Gedacht, getan. Ein gesundes Rezept gesucht (fündig wurde ich mal wieder in Buch „A modern way to eat“ von Anna Jones, wirklich sehr empfehlenswert, siehe auch die rote Beete ein paar Posts weiter hinten) und hab es ein wenig abgewandelt. Und was soll ich sagen: zum Reinlegen! Und in meiner Variante: vegan, glutenfrei und nur mit natürlichen Süßungsmitteln. Wenn ich die Zutaten anschaue, ist das einfach mein morgendliches Chia-Oatmeal in Waffelform. Volltreffer! Die Toppings können natürlich variieren. Im Sommer bieten sich aber natürlich frische Beeren und Kirschen an. Das nächste Mal ersetze ich den Mohn durch Kokosflocken und mache gebratene Banane dazu. Das schmeckt sicher auch ganz toll.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für etwa vier Waffeln (also 20 Herzen)

Für den Teig
200 g Haferflocken, im Mixer fein zermahlen (ich: Haferkleie)
4 EL Rohrzucker oder Kokosblütenzucker (ich: 1 EL Ahornsirup + 2 pürierte Medjoldatteln)
1 EL Backpulver
1 Prise Meersalz (ich: vergessen)
2 EL Mohnsamen
200 ml Naturjoghurt (ich: Kokosjoghurt)
150 ml Milch (ich: Mandelmilch)
3 Eier (ich: 3 Chia-Eier)
Abgeriebene Schaler von 1 Zitrone (ich: halbe Zitrone)
Butter oder Kokosöl zum Backen (ich: wegen guter Antihaftbeschichtung weggelassen)

Für die Toppings
Beeren, Kirschen oder anderes Obst nach Wahl
Naturjoghurt (ich: Kokosjoghurt)
Mohnsamen (optional)
Ahornsirup oder Honig (optional)
Mandelmus (optional)

Für die Chia-Eier pro Chia-Ei 1 EL Chiasamen mit 3 EL Wasser vermengen und einige Minuten quellen lassen. Das Waffeleisen aufheizen.
Die Haferkleie mit dem Backpulver, dem Salz und den Mohnsamen in einer großen Schüssel vermischen. Wer Zucker verwendet, diesen mituntermischen. In einem Krug die (Chia-)Eier mit dem Joghurt, der Milch und dem Zitronenabrieb verquirlen. Zu den trockenen Zutaten geben und gut verrühren.
Das Waffeleisen bei Bedarf mit etwas Butter oder Kokosöl fetten. Eine mittlere Schöpfkelle Teig auf dem Eisen verteilen und die Waffel nach Gebrauchsanleitung backen. Bei mir dauert es ca. 3 Minuten. So verfahren bis aller Teig aufgebraucht ist. Die Waffeln auf Tellern anrichten und mit den Toppings nach Wahl garnieren. Oder die Waffeln auf einem großen Teller auf dem Tisch platzieren und die Toppings in Schälchen bereitstellen, dann kann das jeder nach seinem Geschmack machen.

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