Graupenrisotto mit Zucchini und mariniertem Feta – Überzeugungsarbeit.

Graupenrisotto. Bei manchen Wörtern verzieht sich die Nase des Herzensmenschen zu einer Ziehharmonika, so schwer muss er sie rümpfen. Als treues Menschlein an seiner Seite beobachte ich seine Gesichtszüge selbstverständlich aufmerksam. Es geht mir ja in erster Linie darum, zu erkennen, auf welche Situationen er wie reagiert. Das ist bei ihm manchmal gar nicht so einfach. Pokerface sag ich da nur. Ich versuche permanent, mit bei ihm etwas abzugucken, da ich so ziemlich das Gegenteil von einem Pokerface bin und immer und überall schauen muss, dass man mir nicht sofort an meiner Gesichtsentgleisung ansieht, was ich gerade denke. In jeglicher Hinsicht. Dieses Metier beherrsche ich leider null.

Er kann das gut. Und rettet dadurch des Öfteren heikle Situationen, die durch mein Nicht-Pokerface ziemlich schnell zum Scheitern verurteilt wären. Hach, was würde ich nur ohne diesen Menschen machen. Allerdings hat der Liebe auch seine Momente, in denen die Gesichtszüge nicht so wirklich mitmachen wollen. Oder eher spontan reagieren, sagen wir es so. Das passiert meist beim Essen. Und meist, wenn wir etwas Neues ausprobieren. Noch öfters allerdings, wenn ich etwas Neues ausprobiere. Oder wenn ich sonst etwas anschleppe, dass sich für den Herzensmenschen im ersten Moment verdächtig anhört. Verdächtig gesund, verdächtig experimentierfreudig.

Denn auch wenn er absolut hinter unserer gesunden und ausgewogenen Ernährung steht, selbst aus Überzeugung wenig Fleisch und viel Grünzeugs ist, so bleibt am Schluss doch ein Rest männliche Skepsis gegenüber Pseudogetreiden, Superfoods und Zuckeralternativen. Demgegenüber steht die männliche Tapferkeit, die ihn ganz brav trotzdem alles probieren lässt. Spätestens an dem Punkt kommt dann mein Einsatz. Ich erkläre ihm, was wir jetzt vor uns auf dem Teller haben, linse dabei verstohlen zu ihm hinüber und versuche, aus seinem Gesichtsausdruck den Grad der Akzeptanz zu lesen. Hirsotto (Hirse-Risotto), Gemüsepuffer, Quinotto (Quinoa-Risotto) oder auch Nudeln aus Kichererbsenmehl sind bspw. jene Kandidaten, die das Näschen des Liebsten erstmal etwas krause werden lässt. Das relativiert sich jedoch in 95% der Fälle, weil es ihm dann tatsächlich schmeckt. Puh. Glück gehabt.

Viele Dinge kommen dann auf die „Kannst du wieder machen, Schatz“-Liste. Wie zum Beispiel, das Quinotto mit Erbsen, das ich hier auch schon vorgestellt habe. Oder aber das Naserümpfen setzt sich durch und dem Herzensmenschen schmeckts halt nicht wirklich gut. Dann grummelt er nur. Und ich weiß Bescheid. Bei Gemüsepuffern ist das oft so. Ich mag sie total, er empfindet sie als schlechten Abklatsch von Burgerbratlingen. Pfff, typisch Mann. Dass das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat, darauf kommen sie nicht. Da findet nur die Assoziation mit einem saftigen Burger im Kopf statt. Und dann ist es auch schon vorbei mit den Gemüsepuffern. Egal, ich mag sie und deshalb kommen sie trotzdem manchmal auf den Tisch. Hah!

Neulich habe ich also dieses Graupenrisotto gemacht. Ich hatte ein ähnliches Rezept bei in einem der Ottolenghi Kochbüchern entdeckt und besonders der marinierte Feta hatte es mir angetan. Ich habe die Zutaten ansonsten etwas abgewandelt und der Saison (um nicht zu sagen, der Zucchinischwemme in Mama’s Garten) angepasst. Der Herzensmensch war unterwegs und kam pünktlich zum Essen nach Hause. Wir praktizieren im Übrigen nicht immer eine so klassische Rollenverteilung. Nur manchmal. Jedenfalls hat er sich brav an den Tisch gesetzt und gewartet und ganz nebenbei gefragt, was es denn zum Essen gibt. Meine Antwort kam promt. Sein Naserümpfen auch. Gefolgt von ein bisschen Grummeln und Brummeln. Dann stand der Teller vor ihm und er probierte. Und löffelte und löffelte und fand es großartig. Ok, das ist jetzt die pure Übertreibung. Er fand es aber durchaus lecker, vor allem den marinierten Feta. Und ich? Ich fands super und deshalb möchte ich euch das Rezept nicht vorenthalten. Zumal es wunderbar einfach vor sich hinköchelt, nur ab und an gerührt werden muss und ansonsten absolut leicht von der Hand geht. Et voilà.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für zwei gute Esser

Für das Risotto
100 g Perlgraupen (ich: Gerstengraupen)
1 EL Butter
1 EL Olivenöl
1 Schalotte
1 kleine Zucchini
2 Thymianzweige
¼ TL geräuchertes Paprikapulver
1 Lorbeerblatt
½ TL geriebene Schale von einer Biozitrone
¼ TL Chilipulver
1 Dose stückige Tomaten (400 g)
350 ml Gemüsebrühe
Salz
Pfeffer

Für den Feta
150 g Feta
30 ml Olivenöl
1 TL schwarze Kümmelsamen
1 TL frische Oreganoblätter (ich: Majoran)

Die Graupen unter fließendem Wasser gründlich abspülen und abtropfen lassen. Die Schalotten schälen und fein würfeln. Die Zucchini waschen, längs halbieren und in dünne Scheiben schneiden. In einem großen Topf die Butter und das Olivenöl erhitzen. Die Schalotte zusammen mit den Zucchinischeiben bei geringer Hitze darin anschwitzen, bis sie weich sind. Graupen, Thymian, Paprikapulver, Lorbeerblatt, Zitronenschale, Chilipulver, Tomatenstücke und Gemüsebrühe sowie dazugeben. Kräftig umrühren und zum Kochen bringen. Bei sehr geringer Hitze das Ganze ca. 45 Minuten köcheln lassen, bis die Graupen weich sind und die Flüssigkeit fast aufgesogen haben. Dabei gelegentlich umrühren. Bei Bedarf noch etwas Wasser hinzugeben.
In der Zwischenzeit den Feta in ca. 1 cm große Stücke brechen und in eine Schüssel geben. Die Kümmelsamen in einer Pfanne ohne Fett ein paar Minuten rösten und zusammen mit dem Olivenöl zum Feta geben und vorsichtig unterheben.
Das fertige Risotto nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken und in tiefe Teller geben. Den Feta darauf verteilen, mit etwas frischem Oregano bestreuen und servieren.

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