Chicoréesuppe mit gerösteter Birne und Nüssen – Déja Vu mit Lerneffekt.

Ich habe ein Déja Vu. Aber ein gewaltiges. Es ist November und ich sitze auf der Couch, den Laptop auf dem Schoß, neben mir eine Tasse gesunden Mandelmilch-Kakao (eh klar..) und schreibe an diesem Blogpost. Wenn sich das jetzt unspektakulär, ja nahezu gemütlich anhört, möchte ich euch postwendend dieser Illusion berauben. Lasst es mich also ausformulieren. Es ist Anfang November, und ich sitze in einer eher unbequem aussehenden Position auf der Couch, den Laptop mal auf dem Schoß, mal rechts neben mir – je nachdem wie stark die Schmerzen in meinem rechten Rippenbereich sind und ob ich tief einatmen muss.

Dazu muss ich mich dann um ca. 20° Grad nach vorne beugen. Andernfalls verbietet mir meine wohl ziemlich gezerrte Zwischenrippenmuskulatur das tiefe Atmen. Manchmal auch das komplette Atmen. Wenn ich beispielsweise niesen musste. Dann geht erstmal für eine gefühlte Ewigkeit nichts. Bis ich dann fast blau anlaufe. Ihr denkt, ich scherze? Von wegen. Je nach Bewegung bleibt mir einfach das Wort im Hals stecken, unfähig es auszusprechen, wenn im gleichen Moment ein messerscharfer, schneidender Schmerz durch meine Rippen fährt.

Ok, ganz so schlecht geht es mir eigentlich nicht. Aber fast. Und manchmal tu ich mir tatsächlich auch selbst leid. Es ist meine letzte Urlaubswoche und ich hatte vor, endlich mal tagsüber ins Yoga zu gehen, wenn nicht so viel los ist. Und die Außer-der-Reihe-Pilates-Stunde meiner Trainerin am Feiertag mitzunehmen. Und bei diesen Temperaturen nochmal im T-Shirt joggen zu gehen. Stattdessen kann ich kaum Treppen laufen und versuche inständig, meine Atmung möglichst flach zu halten. Gehe trotzdem jeden Tag raus und drehe langsam meine Spaziergangrunde und komme mir vor wie eine Schnecke ohne Kondition. Ich verstehe, wenn manch einer nun die Augen verdreht. Völlig. Der Herzensmensch tut das beim Thema Sport quasi täglich. Es gibt durchaus Schlimmeres. Ich weiß.

Trotzdem ist es für jemanden mit einem ständigen Bewegungsdrang nicht einfach, stillzusitzen und sich zu schonen. Da hilft manchmal auch alle Vernunft nichts. Auch das sich einreden, dass in ein paar Tagen wieder alles vorbei ist, bringt nichts. Aber am Ende hilft ja alles Jammern nix. Zähne zusammenbeißen und durch. Und dankbar sein, dass man auch mit 31 noch lernbereit ist. Um den Bogen zum Déja Vu zu schlagen. Vor exakt einem Jahr saß ich in eben dieser Haltung auf der Couch und hatte einen entzündeten Zwischenrippennerv. Auf der linken Seite. Das war noch viel schlimmer. Ehrlich. Am Schlimmsten war allerdings meine eigene Dummheit.

Sobald das Nervenzwicken im ertragbaren Bereich lag, bin ich wieder in die Laufschuhe geschlüpft. Und auf die Yogamatte. Und ins Pilates. Keine 3 Wochen hat das gedauert. Die Folge war, dass mein Nerv sich nie vollständig erholt hatte und nach der Pop Up Bakery die nächste schwere Entzündung kam. Bis März war ich ziemlich angeschlagen, habe mich beim zweiten Mal aber tatsächlich dann solange geschont, bis der Nerv endgültig Ruhe gab. Gemerkt hat der kleine Schelm sich das aber trotzdem, wie ich mit ihm umgegangen bin. Als Dank meldet er sich ab und an und zwickt mit kurz. Meist in stressigen Situationen. Nur damit ich nicht vergesse, dass er noch da ist. Mach ich nicht, Nerv, ganz bestimmt nicht.

Dank dieser Geschichte befinde ich mich mit meiner Muskelzerrung gerade – trotz allem Gejammer – auf der Zielgeraden meiner Lernkurve. Ich werde also nicht den Fehler machen und zu früh wieder anfangen. Ich werde ganz brav warten, bis kein Zipperlein mehr zu spüren ist. Bis ich morgens nicht mehr von Schmerzen geplagt aufwache, sondern von dem Gefühl, dass da keine mehr sind. Ich werde auf der Couch sitzen, Blogposts schreiben und Kakao trinken. Und mir einreden, dass alles gar nicht so schlimm ist. Und ich werde an Rezepten tüfteln. Gemächlich in der Küche werkeln kann ich nämlich allemal. Mit Pausen dazwischen.

Dabei entstand auch das heute mitgebrachte Chicoréesüppchen. Ein bittersweetes Suppenträumchen. Die leichte Bitterkeit des Chicorée harmoniert vorzüglich mit der Süße der gerösteten Birnen. Und geröstete Nüsse passen eh fast immer. Die geröstete Birne macht sich im Übrigen auch gut mit etwas griechischem Joghurt und karamellisierten Walnüssen. Für jeden, der nicht so auf Suppe aus Salat steht. Und für alle anderen.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für zwei gute Esser

Für die Suppe
300 g Chicorée
1 kleine Kartoffel
1 Birne
1 Stück Ingwer (ca. 1 cm)
400 ml Gemüsebrühe
50 g Schmand
Salz
Pfeffer
1 Prise Chilipulver

Für die geröstete Birne
½ Birne
1 EL Olivenöl
1 EL Ahornsirup

Toppings
1 kleine Handvoll Nüsse (ich: Kürbiskerne, Haselnüsse, Mandeln, Sonnenblumenkerne)

Den Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine halbe Birne schälen, vierteln, das Kerngehäuse entfernen und jedes Viertel in drei Spalten schneiden. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen. Mit Olivenöl und Ahornsirup beträufeln, gut vermischen und ca. 25 Minuten im Backofen rösten, bis die Spalten goldbraun sind.
Für die Suppe den Ingwer schälen und fein hacken. Vom Chicorée die äußeren Blätter entfernen, die Schoten halbieren und in grobe Streifen schneiden. In lauwarmem Wasser waschen und gut abtropfen lassen. Die Kartoffel schälen und in grobe Stücke schneiden. Die Birne ebenfalls schälen, das Kerngehäuse entfernen und in grobe Stücke schneiden. In einem Topf etwas Olivenöl erhitzen und Ingwer und Chicorée darin 2-3 Minuten dünsten. Die Kartoffel und die Birne dazugeben und nochmals kurz mitdünsten. Mit Gemüsebrühe ablöschen und 20 Minuten köcheln lassen. Danach die Suppe fein pürieren, den Schmand hinzufügen und mit Salz, Pfeffer und Chili abschmecken.
In der Zwischenzeit die Nüsse grob hacken und in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis sie schön duften. Die Suppe in tiefen Schüsseln anrichten und jeweils mit gerösteter Birne und Nüssen garniert heiß servieren.

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