Antipasti – wenn ganz klein eigentlich ganz groß ist.

Antipasti misto, den klassischen Vorspeisenteller beim Italiener, kennt vermutlich jeder. Je nach Restaurant kann dieser von wunderbar und superlecker bis hin zu grauenhaft sein. Alles schon erlebt. Um jeweils ein Bespiel zu nennen: auf einem sehr geschmackvoll ausgewählten Antipastiteller befindet sich neben Klassikern wie Vitello Tonnato, Caprese und etwas gegrilltem Gemüse auch meist eine kleine Auswahl an italienischem Schinken und italienischer Salami. Alles hauchdünn (!) geschnitten und vor allem frisch aufgeschnitten. Daneben haben wir meist noch ein paar eingelegte Oliven, bei denen man gleich schmeckt, ob das Olivenöl eine gute Qualität hat. Und dann wird oft noch ein Stück Taleggio oder Grana Padano mitangerichtet, zwei klassische Sorten von italienischem Käse. Das alles kann sehr hübsch arrangiert werden, so dass das Auge gleich zu Beginn ganz glänzig wird. Dazu etwas frisches Ciabatta oder in vielen Fällen auch Pizzabrot, gutes Olivenöl und Meersalz und ein gelungener Start in einen italienischen Abend ist gesichert.

So. Das war jetzt das positive Beispiel. Leider habe ich bisher mehr schlechte Erfahrungen gemacht. Der Platteninhalt kann völlig der Gleiche sein und doch gibt es so gravierende Qualitätsunterschiede. Das fängt oft an bei der Tomate für das Caprese. Sorry, aber wässrig, bleich und nach nichts schmeckend braucht man wirklich nicht. Dann lieber keine Caprese und stattdessen Melone mit Parmaschinken. Oder wenn die Kalbfleischscheibchen des Vitello Tonnato völlig in der Thunfischsauce ertränkt werden. Dann kann man sich auch gleich einfach eine Schüssel Sauce bestellen und Brot eintunken. Wenn ich dann noch das Gefühl habe, für die Schinkenauswahl wurde einfach eine Plastikpackung aus dem Lidl aufgerissen, dann bin ich eigentlich schon bedient.

Grundsätzlich sind die Antipastiteller, die man hier in den meisten italienischen Restaurants bekommt, eher standardmäßig ausgestattet und sehr auf den deutschen Gaumen und die deutsche Erwartungshaltung zugeschnitten. Ist ja auch alles superlecker – wenn es, wie gesagt, von ordentlicher Qualität ist. Allerdings hat die italienische Küche noch viel, viel mehr zu bieten und die Auswahl an Antipasti reicht wirklich von A bis Z und würde das Alphabet noch weitergehen, könnte die Auswahl immer noch mithalten. Und glaubt mir, es gibt dabei so viel zu entdecken und so leckere kleine Dinge, da kommt man gar nicht drum herum das eigene Repertoire ständig zu erweitern.

Ich möchte euch hier drei unterschiedliche Antipasti vorstellen, die, wie so vieles in der italienischen Küche, durch Einfachheit UND Raffinesse überzeugen. Wir haben die drei Hübschen zu Beginn eines italienischen Vier-Gänge-Menüs serviert, das wir für unsere lieben (Koch-)Freunde Sarah und Philipp gekocht haben. Vor allem wenn noch weitere Gänge folgen, reicht hier eine minikleine Auswahl für jeden aus, sonst ist man gleich zu Beginn des Menüs pappsatt und kugelt spätestens nach Gang drei vom Stuhl. Da kommt dann der Grappa ins Spiel… Aber lassen wir das.
Hier nun die drei Kleinen, die durch ihren Geschmack Großes bewirken: Paprika-Thunfisch-Röllchen, Feigen in Marsala, Melone und Parmaschinken.

Habt es fein.
Eure Hannah

Für vier Personen als Vorspeisenvariation

Feigen in Masala

4 italienische feste Feigen
100 ml Masala
4 mitteldünne Scheiben San Daniele Schinken
1 EL Butter
3-4 Stängel Petersilie

Die Feigen waschen, aufstellen und längs vierteln, dabei aber nicht bis ganz nach unten durchschneiden. Jede Feige mit ein paar Tropfen Masala beträufeln. Je eine Scheibe Schinken um die Früchte wickeln und mit einem Zahnstocher befestigen.
Die Butter in einer Pfanne erhitzen und die Feigen liegend 3-4 Minuten bei schwacher Hitze kross braten. Wenden und auf der anderen Seite ebenfalls kross braten. Den restlichen Masala über die Feigen geben und bis zur Hälfte einköcheln lassen. In der Zwischenzeit die Petersilie waschen und fein hacken. Die Zahnstocher von den Feigen entfernen, die Früchte auf Tellern anrichten, die Sauce darüber träufeln und mit der gehackten Petersilie garnieren.

Paprikaröllchen mit Thunfischcreme

2 Paprikaschoten (ich: rot und gelb)
150 g Thunfisch in Olivenöl (aus der Dose)
½ EL Kapern
2 Sardellenfilets in Öl
3 EL Sahne
1 TL Zitronensaft
Salz
Pfeffer

Den Backofen auf 250 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Paprikaschoten waschen, längs halbieren und das Kerngehäuse entfernen. Mit der Schnittfläche nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im Ofen ca. 15 Minuten backen, bis die Haut dunkle Blasen wirft. Aus dem Ofen nehmen und mit einem feuchten Tuch abdecken. Kurz ruhen lassen, dann die Haut abziehen und die Paprikahälften längs dritteln.
Die die Thunfischcreme den Thunfisch abtropfen lassen und mit den Kapern, den Sardellen und der Sahne im Standmixer zu einer feinen, cremigen Masse pürieren. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Auf jeden Paprikastreifen etwas Creme verteilen, aufrollen und mit Zahnstochern befestigen. Bis zum Servieren in den Kühlschrank stellen.

Parmaschinken und Melone

½ Honigmelone
8-10 Scheiben hauchdünn geschnittener Parmaschinken (ich: 24 Monate gereifter)

Die Melone von der Schale befreien und in mundgerechte Stücke schneiden. Auf jedes Stück eine Scheibe Parmaschinken mit einem Zahnstocher befestigen.

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